Von Hayo Matthiesen

Im Präsidialamt der Freien Universität Berlin hören einige Mitarbeiter von Rolf Kreibich das Sterbeglöckchen läuten. Die Alma mater, so verkündete jüngst das im Auftrag des Präsidenten herausgegebene "FU-Info"-Blatt, "muß jetzt den giftigen Apfel schlucken", und daran werde die Hochschule hinscheiden: "Die zarte Leiche – Demokratisierung der Hochschule – liegt schon im Sarg."

Im Senatsamt für Wissenschaft und Kunst, der zuständigen Behörde für die Universitäten, gilt eine ganz andere Meinung: "Wir haben unser Hochschulrecht konsequent weiterentwickelt", behauptet Wissenschaftssenator Werner Stein, und er ist überzeugt, die Grundlage für eine gedeihliche Zukunft der Universitäten gelegt zu haben.

Was den einen als Anfang vom Ende erscheint, anderen aber als Beginn weiteren Fortschritts gilt, ist derselbe Vorgang: Die Novellierung des Berliner Hochschulrechts, die das Abgeordnetenhaus Mitte November verabschiedet hat; in wenigen Tagen wird das für die Freie und für die Technische Universität neu gefaßte Universitätsgesetz veröffentlicht und verbindlich.

Damit ist ein fast vierjähriger erbitterter Kampf formal abgeschlossen. So lange nämlich dauerte der Streit um das im Juli 1969 erlassene Universitätsgesetz, das die Hochschulreform nicht nur in Berlin einleitete, sondern Schrittmacherfunktion für die Hochschulgesetzgebung auch in den Bundesländern übernahm. Nach der Studentenrevolte setzte sich Berlin mit seinem Universitätsgesetz an die Spitze der fortschrittlichen Entwicklung. Was Werner Stein damals für die Berliner Hochschulen ermöglichte, war Vorbild und Ansporn für manche anderen: Abbau der hierarchischen Strukturen, Mitbestimmung aller Beteiligten, Pluralität der Meinungen, Öffentlichkeit der Entscheidungen – die demokratische Gruppenuniversität als Modell für eine demokratische Gesellschaft.

Das war zumindest die Intention des Gesetzes, und das war die Absicht des Politikers Stein. Nun hat er mit der neuen Novelle die Autonomie der Universitäten in entscheidenden Punkten eingeengt und ihre Freiräume wesentlich verringert. Zwar soll die Entwicklung insgesamt in Richtung auf eine Integrierte Gesamthochschule fortgesetzt werden, doch das ist eher ein äußerlicher Aspekt. Im Grunde ermöglicht das jetzige Gesetz den nahezu totalen Eingriff des Staates in alle Bereiche der Universitäten und damit die Entmachtung der Präsidenten. In Zukunft wird die Freie Universität nur noch eine freie Hochschule von Staates Gnaden sein.

Vier Bereiche sind es vor allem, in denen der öffentliche Einfluß verstärkt wurde –