In Stuttgart ist eine politische Tradition zu Ende gegangen. Bisher galt es als unumstößliche Regel in der Bundesrepublik, daß die Union in den großen Städten des Landes auf verlorenem Posten kämpft. Wenn die beiden großen Parteien um das höchste Amt der Stadt konkurrierten, machten stets die Sozialdemokraten das Rennen. Bei der Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl aber erreichte der CDU-Politiker Manfred Rommel 59 Prozent der Stimmen. Sein SPD-Gegner, Peter Conradi, blieb unter der 40-Prozent-Grenze hängen.

Dieses Ergebnis bezeichnet einen Erdrutsch. Dabei spielten gewiß manche Besonderheiten eine Rolle: der Name Rommel, ein bewußt von der Parteipolitik abgesetzter Wahlkampf des tüchtigen CDU-Bewerbers, die Ungeschicklichkeit der SPD, die selber dafür sorgte, daß ihr Mann in die rote Ecke gestellt wurde. Aber das Ergebnis bleibt für die Sozialdemokraten trotzdem niederschmetternd.

Das Stuttgarter Resultat liegt im Trend der Landtagswahlen. Es zeigt, daß der Widerwille gegen die SPD sich durchgefressen hat. Und vorläufig gibt es kein Indiz dafür, daß sich diese Stimmung ändert. Es gilt die neue Regel: Sozialdemokraten, die sich für ein Wahlamt bewerben, haben es schwerer als ihre Konkurrenten. Sie müssen sich nicht nur mit dem Gegner messen, sondern auch gegen das negative Image der eigenen Partei ankämpfen (siehe auch Seite 14).

R. Z.