Die Zahl der Atomwaffenträger der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion – Interkontinentalraketen, Raketen auf U-Booten und Langstreckenbomber – soll auf je 2400 beschränkt werden. Jeder Seite wird außerdem zugestanden, daß 1320 Raketen Mehrfachsprengköpfe tragen dürfen. Diese Zahlen nannte Präsident Ford am Montag auf seiner ersten Pressekonferenz nach dem Treffen mit dem sowjetischen KP-Chef Breschnjew in Wladiwostok.

Mit dieser Absprache haben die Supermächte den Rahmen für ein zweites Abkommen über die Begrenzung der strategischen Waffen (SALT) geschaffen. SALT II soll von 1975 bis 1985 gelten. Die Einzelheiten müssen noch ausgearbeitet werden.

Ford nannte das Verhandlungsergebnis "einen großen Schritt nach vorn in Richtung auf den Frieden – auf der Grundlage der Gleichheit, der einzigen Basis, auf der ein Abkommen möglich war". Der Präsident widersprach Kritikern im Kongreß, wonach das Abkommen einen weiteren Aufbau der beiderseitigen Waffenarsenale zulasse. Es vermindere vielmehr einen Teil der Aufrüstung, versicherte er. Ford räumte aber ein, daß der Vertrag eine Steigerung der Explosivkraft der Raketen gestatte. Im übrigen werde die Entwicklung von geplanten oder bereits in Angriff genommenen Waffensystemen nicht eingeschränkt. Das gelte insbesondere für den neuen Überschallbomber B-1 und das Atomunterseeboot Trident.

Nach Angaben des Londoner Instituts für Strategische Studien verfügen die Vereinigten Staaten über 1054 Interkontinentalraketen, 768 Raketen auf U-Booten und 437 Langstreckenbomber (zusammen 2259). Bei den Sowjets lauten die entsprechenden Zahlen 1575 – 720 – 140 (zusammen 2435). Danach ist die zulässige Grenze von Atomwaffenträgern auf amerikanischer Seite noch nicht erreicht, bei den Sowjets schon überschritten.

Von den 1320 vertraglich zugestandenen Mehrfachsprengköpfen (MIRV) haben die Amerikaner bisher 822 auf dem Boden und auf U-Booten einsatzbereit. Diese Zahl soll zunächst auf 1046 erhöht werden. Die Sowjetunion besitzt nach amerikanischen Angaben noch keine einsatzfähigen Mehrfachsprengköpfe. Präsident Ford bestätigte auf Anfrage eines Korrespondenten, daß die Kosten der Waffenentwicklung bis zur vereinbarten Höchstgrenze etwa 18 Milliarden Dollar betragen können. Der Verteidigungsetat soll darauf zugeschnitten werden.

Ein prominenter Kritiker Fords, der demokratische Senator Jackson, bezeichnete die Anzahl der MIRV-Raketen als "erstaunlich hoch". Das Abkommen von Wladiwostok erlaubte die Produktion von Tausenden zusätzlichen Atomsprengköpfen. Wegen der Schwierigkeit, die Einhaltung des Vertrages zu überwachen, werden Komplikationen im Kongreß erwartet. Die Vereinigten Staaten stützen sich bei der Überwachung des Vertrages nur auf die Ergebnisse ihrer Nachrichtensatelliten.