Von Gert Westphal

"Erstens betrachten wir Leute, die genau wissen, was Literatur ist, mit Mißtrauen, und zweitens lesen wir sogenannte Trivialromane nicht mehr mit jenem schlechten Gewissen, das uns Leute einreden wollen, die behaupten, genau zu wissen, was Literatur sei.

Alfred Andersch

An drei Sonntagabenden des Sommers, an zweien im Herbst flimmerten nach einem graphisch raffinierten Standardvorspann vom Tricktisch des Senders in Stuttgart fünf Romane von den mehr als zweihundert ihrer Schreiberin über die deutschen Fernsehschirme und zeigten in den anheimelnden Popfarben des Jugendstils "Die Welt der Hedwig Courths-Mahler". In allen fünf raunte ich unsichtbar das munter fließende Imperfekt der unermüdlichen Erzählerin, den dritten mit dem aufschlußreichen Titel "Der Scheingemahl" inszenierte ich auch, malte den Bilderbogen selbst, zu dem ich sprach.

Über ein Jahr also mit den Projekten bald näher, bald weiter befaßt, darf ich mich für befangen genug halten, um streng subjektive Wahrnehmungen von ihrem Entstehen und ihrer schließlichen Konsumierung durch das Publikum – beim "Scheingemahl" mit 57 Prozent aller einschaltbaren Geräte in Rekordzahlen zur Stelle – zu summieren.

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Am Anfang war für mich: Hans Beuthner, der Besetzungschef des Stuttgarter Senders. Con Sordino warb seine gepflegte Stimme am Telephon um meine Mitwirkung bei einer Sache... einer Serie... aber nicht etwa einer Fortsetzungsreihe ... vielmehr einer Reihe von fünf verschiedenen Filmen aus einer Feder – die, wenn nicht sehr verschieden, doch unterschiedlicher Art... freilich wohl gleichen Charakters... daher denn ein Sprecher für alle fünf um der Einheitlichkeit der Präsentation willen wünschenswert...