DIE ZEIT

Weißer Elefant

Fast zwei Jahrhunderte lang hatten die Briten vor einem Kanaltunnel die Angst des Elefanten vor der Maus, die ihm in den Rüssel kriechen könnte.

Atomangst in Nahost

In das Crescendo der vielen Stimmen, die den baldigen Ausbruch des fünften Nahostkrieges voraussagen, mischt sich die wachsende Sorge, daß dieser Krieg atomare Dimensionen annehmen könnte.

Erdrutsch

In Stuttgart ist eine politische Tradition zu Ende gegangen. Bisher galt es als unumstößliche Regel in der Bundesrepublik, daß die Union in den großen Städten des Landes auf verlorenem Posten kämpft.

Pakete für Paris

Die deutsch-französische Kooperation hat sich in den letzten Tagen bewährt. Allen Unkenrufen, allem Gerede über eine Verstimmung zwischen Giscard und Schmidt zum Trotz hat das Zusammenspiel geklappt wie seit langem nicht mehr: Paris berief das Gipfeltreffen ein.

Ausverkauf der deutschen Industrie?

Der Schock kam unerwartet, wenngleich wir hätten vorbereitet sein sollen. Ausgerechnet bei Deutschlands renommiertestem Industrieunternehmen haben sich "die Araber" eingekauft, noch dazu zunächst anonym.

Zeitspiegel

Günter Nollaus Abschied aus seinem Präsidentenamt beim Bundesverfassungsschutz zieht sich hin – offensichtlich durch höhere Gewalt.

Worte der Woche

"Ich weiß nicht, wie jemand unter dem Streß eines Spitzenjobs in der Politik leben kann, ohne ein Ventil zu haben. Die meisten britischen Staatsmänner – so weit man zurückgehen mag – haben entweder zuviel getrunken oder zu viele Weibergeschichten gehabt oder beides oder noch irgendwas anderes.

Versager oder Sündenbock?

Die Sozialdemokraten und die Freien Demokraten haben bei den letzten Landtagswahlen schlecht abgeschnitten, in Hamburg wie in Niedersachsen, in Bayern wie in Hessen.

Wolfgang Ebert: Ferngespräch

Valéry: Rumor – pardon, Moro kommt – aber nur, wenn ihm vorher garantiert wird, daß sich die Sache lohnt. Die Dänen kommen, wenn vorher feststeht, daß dabei nichts Negatives für sie herauskommt.

"Sie zahlen prompt und bar"

In den kaiserlichen Gärten von Sutschau bewunderte Henry Kissinger das Talent der Chinesen, auf schmalem Raum einen Reichtum an Phantasie zu entfalten.

Krisenregierung in Rom: Weiter nach links mit Moro?

Mit bebender Stimme, fast den Tränen nahe, rief Aldo Moro letzten Montag die Italiener auf, ihm "wenigstens ein Vorläufiges, bedingtes Vertrauen" zu schenken, obschon er ihnen zubilligte, daß sie sich heute von Regierung und Parteien "verraten und verlassen, statt vertreten" fühlen.

Breschnjew: Absage an Peking

Bei seinem siebten Besuch in Peking bekam der amerikanische Außenminister Kissinger in feinen Nuancierungen das chinesische Unbehagen darüber zu spüren, daß das Treffen zwischen Breschnjew und Ford ausgerechnet in einem jener "umstrittenen Gebiete", die China für sich beansprucht, stattgefunden hatte.

Dokumente der ZEIT – Schmidts Plädoyer für Europa

"Laßt mich ein Wort zur Europäischen Gemeinschaft äußern. Nicht weil dies von nahezu allen kritischen Zeitungen vorausgesagt worden ist, sondern weil ich die Interessen und Erwartungen meines Amtes und meines Landes mißachte, wenn ich den Wunsch unserer deutschen Genossen unterdrücken würde, euch, britische Genossen, an unserer Seite in der Gemeinschaft zu sehen.

Schmidt: Lob in London

Über Nacht wurde Bundeskanzler Schmidt in England populär. Seine witzig-unterkühlte, ausgewogene und mit einem Shakespeare-Zitat abgerundete Europa-Rede auf dem Labour-Parteitag fand uneingeschränkt Lob und Beifall.

Makarios kehrt zurück

Am Freitag will Erzbischof Makarios, der am 15. Juli durch einen Putsch als Präsident der Inselrepublik Zypern gestürzt wurde, nach Nikosia zurückkehren.

Auch in der Zelle aktiv

Die inhaftierten Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe haben ein gut funktionierendes Informationssystem untereinander und zu ihren Anhängern in der Außenwelt aufgebaut; mehrere Anwälte gaben zu erkennen, daß sie sich mit den Zielsetzungen der Gruppe identifizieren: Dies wird nach Ansicht des Bundesinnenministeriums durch eine Dokumentation bewiesen, die Innenminister Maihofer am vergangenen Freitag veröffentlichte.

Atomwaffenträger: Grenze bei 2400

Die Zahl der Atomwaffenträger der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion – Interkontinentalraketen, Raketen auf U-Booten und Langstreckenbomber – soll auf je 2400 beschränkt werden.

Mit Krone und Kelle

Am ersten Advent-Wochenende zeigte der Terminplan des Nürnberger Christkinds noch Lücken. Freitagnachmittag eine Stunde Dreharbeiten mit dem ZDF auf dem Hauptmarkt, anschließend Mikrophonprobe, danach Ankleiden und Schminken im Opernhaus, abends Firmenempfang.

Blatt-Schuß

Vom Dauersturm im deutschen Blätterwald werden auch die scheinbar stärksten Stämme nicht verschont. Der Fall der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) beweist es aufs neue.

Sieg für Rommel

Manfred Rommels politisches Markenzeichen ist der Rechenschieber. Der 45 Jahre alte Generalsohn, Sieger der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart, greift immer dann mit einer respekteinflößenden Gebärde in die obere Brusttasche, wenn es ein politisches Problem zu lösen gilt.

Protest gegen Protz

Bonner Bürger planen mit." Unter diesem Motto veranstaltete die Volks- und Lebensversicherung Deutscher Herold im Großraum Bonn ein Preisausschreiben.

Wohin wir treiben

John Herz, deutscher Herkunft und seit vielen Jahren Professor an der City-Universität von New York, ist dem deutschen Leser durch zwei Bücher bekannt geworden, die seinerzeit in der Fachwelt der Politischen Wissenschaft zwar respektvolle Beachtung gefunden, in der weiteren Öffentlichkeit jedoch keinerlei besondere Aufmerksamkeit erweckt haben.

Der menschliche Revolutionär

Noch mehr als Deutschers "politische Biographie Trotzkijs spart Cohen das Persönlich-Private aus. Er gibt nur einige Daten über die Eltern und die Schulzeit.

Halali zur Hexenjagd

Ja wo sind wir denn? Beschämend, mitanzusehen, wie man sich ("Panorama") entschuldigen zu müssen glaubt, wenn man einen der großen Denker des Jahrhunderts, Jean-Paul Sartre, vor Kamera und Mikrophon holt, nur weil der französische Philosoph in dieser Woche Andreas Baader besuchen will.

Artige Diener

Die "Hörzu"-Leser gingen auf die Barrikaden. "Mit diesem Politterror muß endlich Schluß sein", forderte einer von ihnen Anfang November und meinte nicht anarchistische Bombenleger, sondern die beiden deutschen Fernsehanstalten, die, wie ein anderer Leser meinte, "kaum Unterhaltung, dafür aber Politik im Überfluß" bringen.

Zeitmosaik

Ich fordere die Merzbühne. Ich fordere die restlose Zusammenfassung aller künstlerischen Kräfte zur Erlangung des Gesamtkunstwerkes.

Kunstkalender

Eine kleine Auswahl war schon in der Galerie Reckermann in Köln zu sehen, jetzt sind die Zeichnungen von Mack zum erstenmal in einem Museum ausgestellt, rund 120 Blätter aus den Jahren 1956 bis 1974.

Eine Reform nach rückwärts

Im Präsidialamt der Freien Universität Berlin hören einige Mitarbeiter von Rolf Kreibich das Sterbeglöckchen läuten. Die Alma mater, so verkündete jüngst das im Auftrag des Präsidenten herausgegebene "FU-Info"-Blatt, "muß jetzt den giftigen Apfel schlucken", und daran werde die Hochschule hinscheiden: "Die zarte Leiche – Demokratisierung der Hochschule – liegt schon im Sarg.

Die neue Schallplatte

Ein Spaßbösmacher, ein Bösspaßmacher, ein witziger, gescheiter, umwerfend musikalischer Mann. Sein Name ist Werner Pircher. Auf seinem selber gemachten, zuvor von 25 Plattenfirmen abgewiesenen "halben Doppelalbum" teilt der Tiroler mit, "Was wir über das Leben nach dem Tode wissen und fast 22 andere Lieder".

Bochums "Blauer Engel"

Vielleicht war es ein Fehler, vorher das Buch zu lesen. Vielleicht hätte ich, ohne das übermächtige Vorbild des Romans im Kopf, einleuchtender gefunden, was Peter Zadek und Gottfried Greiffenhagen aus Heinrich Manns "Professor Unrat" gemacht haben: "Eine Komödie mit Musik".

Johann Heinrich Füßli, das kombinierende Genie: Gemalte Literatur

Kunst um 1800: mit Johann Heinrich Füßli geht der Zyklus weiter, den Werner Hofmann in der Hamburger Kunsthalle inszeniert. Füßli nach Caspar David Friedrich, der Szenenwechsel ist kraß, provokant für ein Publikum, das sich eben noch an einem Lieblingsmaler delektierte und nun mit dem total anderen konfrontiert wird.

Shintomönche im Märchenwald

Die Fragen sind so alt wie das Stück, aber da sie bislang nie endgültig gelöst wurden, stellen sie sich eigenständig immer wieder.

Churchills Bühnenweit

Eindrucksvoll: wie der dicke alte Mann in einer englischen Parklandschaft saß und den Pferden zuschaute. Eindrucksvoll, sobald Sätze wie diese zitiert wurden: "Wenn Hitler einen Angriff auf die Hölle plant, werde ich den Teufel im Unterhaus lobend erwähnen" oder "Die Engländer haben die Herzen von Löwen; meine Aufgabe war es, den Löwen brüllen zu lassen" oder "Wenn Hitler kommen will, mag er es tun.

Billiger als eine Bombe

Donnerstag, den 28. November, in Leipzig: Die XVII. Internationale Dokumentar- und Kurzfilmwoche feiert den "Tag der anti-imperialistischen Solidarität".

Filmtips

Ein vierköpfiges Gangster-Kommando entführt eine vollbesetzte New Yorker U-Bahn und erpreßt die Stadt um eine Million Dollar.

Liebling ohne Glück: Papas Frau

Des Vaters Liebling, Theodor Fontanes einzige Tochter neben drei Söhnen, Martha (1860–1917), zärtlich Mete genannt, ist Liebling auch der Schriftgelehrten auf Fontanes Lebensspur.

Kritik in Kürze

"Ich, James McNeill Whistler", Roman von Lawrence Williams. Die längste Zeit seines Lebens war er umstritten, verhöhnt und verpönt.

Ein parteiischer Einzelgänger

Ist es einer, der volkstümlich schreibt oder der aus "dem Volke" kommt? Einer, der wissentlich provinziell geblieben ist oder der Provinz zu beschreiben sucht? Wird jemand Volksschriftsteller, wenn seine Bücher Volksauflagen erreichen oder in Volksausgaben erscheinen? Ist deshalb Heinrich Böll ein Volksschriftsteller? Ich erlaube mir, Zweifel zu haben.

Fragen zahlt sich aus

Vorurteile gegenüber der Wirtschaft machen den Berufseinstieg unnötig schwer

Die Wende ist da

Der Bundesregierung und der Bundesbank ist an der Preisfront ein ganz außergewöhnlicher Erfolg geglückt. Die Fieberkurve der Verbraucherpreise wird zum erstenmal wieder die gleiche Temperatur anzeigen wie vor dem Ölpreisschock.

Zwischen Basis und Bundesbank

Hans von Steen, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Metall für Norddeutschland, konnte sich nach langer Diskussion schließlich durchsetzen: Die Tarifkommission beschloß in einer Kampfabstimmung, für die rund 100 000 Hamburger Metallarbeiter eine Lohnerhöhung von zwölf Prozent zu fordern.

Bonner Kulisse

Eine Woche länger als bisher geplant werden die Finanzminister des Bundes und der Länder so tun können, als fiele es ihnen schwer, die bei der Bundesbank deponierten Mittel aus der Konjunkturausgleichsrücklage und der Stabilitätsabgabe – zusammen derzeit noch über neun Milliarden Mark – alsbald aufzulösen.

Unter den Teppich gekehrt

Die Einstellung der Kartellverfahren gegen neun deutsche Hersteller von Chemiefasern bereitet fast allen Beteiligten spürbares Unbehagen.

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