Aus dem internationalen diplomatischen Leben wird neuestens bekannt, daß der General Amin Dada, der Staatschef von Uganda, seinen weiblichen Außenminister in brüsker Weise entlassen hat, weil diese junge intelligente Dame sich nicht so verhalten habe, wie es einer Persönlichkeit in so hohem Amte zukommt. Man spricht von Mangel an Takt und an Liebe zum allmächtigen Präsidenten.

Diesen Taktfehler – wenn es denn einer war – beging die mit allen Reizen ausgestattete dunkle Dame ... wo? Auf der Toilette des Pariser Flughafens Orly. Doch unter welchen Umständen? Im Tête-àtête mit einem Weißen.

Und nicht nur der Ort dieser eiligen diplomatischen Kontakte ist verblüffend. Es scheint beim Têteà-tête, beim Kopf an Kopf, nicht geblieben zu sein.

Den großen Staatschef Amin Dada – er mißt mehr als zwei Meter – kennt man in Europa vor allem aus einer Filmreportage, in der er nicht nur von seiner Liebe zum Vaterland und seinem Haß auf Israel, sondern auch von seinen vier Frauen berichtet, die er auf die Zahl von zweien reduziert hat. Er vermittelt dabei im Kreise seiner niedlichen pechschwarzen achtzehn Kinderchen den Eindruck, daß diese Einschränkung seines Ehestandes aus völlig moralischen Gründen geschah.

Eindrucksvoll war dann noch eine Fahrt auf dem Nil, wobei General Amin Dada die Schönheit der Landschaft und die Klugheit der Krokodile verherrlichte. Am schönsten aber war eine Sitzung seines Ministerrats. Dort schärfte der General seinen engsten Mitarbeitern ein, was ihre höchsten Pflichten seien. Erstens sollten sie dem Volke von Uganda die Liebe zu ihm, dem General, einflößen. Zweitens aber sollten die Minister und Staatssekretäre auch selber den General Amin Dada lieben, mit allen Kräften und von ganzem Herzen. Diese Liebe im Herren, Staatsgelder im Portefeuille, hochpolitische Reisen im Programm, etwa zum Sitz der Unesco in Paris, wo Uganda denn auch wirklich gegen Israel stimmte, weil dieses Land kulturelle Verfehlungen begangen hätte, und dann mit einem Weißen auf die Toilette – wirklich, man mag dem General Amin Dada Mitgefühl entgegenbringen, auch wenn man fürchten muß, daß diese Entlassung ein Irrtum war.

Seine Ziele sind groß. Hat er nicht gewünscht, daß der Sitz der UN und der Uiesco nach Uganda verlegt würde, in dieses Land, im Mittelpunkt Afrikas und also im Mittelpunkt der Welt? Und hat er nicht, wo immer er konnte, auch weiblicher Schönheit gehuldigt, geschweige denn weiblicher Intelligenz? In Uganda – so sagte er beispielsweise in dem erwähnten Film – ist der Prozentsatz an Frauen im Amte des Hotel-Generaldirektors außerordentlich hoch. Und man sieht ja dann auch eine Dame, wie sie mit großem Geschick eines der beiden großen Hotels von Uganda lenkt und leitet. Man sollte vielleicht die Toiletten-Geschichte von Orly in diesem Zusammenhang sehen. Von der Hotelhalle zur Toilette ist es nur ein Schritt. Und ein Staatsakt auf der Toilette ist außerdem noch originell.

Als ein französischer Erziehungsminister vor einigen Jahren eine moderne Schule einweihte, entkleidete er sich plötzlich, und die entzückten Spitzen der lokalen Behörde wurden Zeugen eines niedlichen und eleganten Kopfsprunges ins Schwimmbecken. Womöglich stellt sich heraus, daß die Ministerin von Uganda mit ihrer Toilettentat etwas Ähnliches symbolisieren wollte.

Denn ein Minister ist immer im Dienst. Beim Kopfsprung wie auf der Toilette.