Lieber will ich auf einer Südseeinsel Bananen pflücken als Bundeskanzler werden", sagte Strauß vor wenigen Jahren mit der Stimme eines Wolfes, der Kreide gefressen hatte, um ungefährlich zu erscheinen. Wenn man etwas werden will, darf man es nicht einfach werden wollen. An diese Devise hält sich FJS, obwohl er sich seit seinem jüngsten Kantersieg in Bayern als Prophet ausgibt ("Leider hab’ ich recht behalten"), der wieder etwas gilt im eigenen Land. Doch er wurde deutlicher: wenn er gerufen werde, wolle er sich dem Ruf nicht verschließen. Prompt ertönt nun auch der Ruf: "Strauß muß her!" Ironischerweise handelt es sich dabei nicht um einen Rufer in der Wüste der Union, sondern nur um einen wüsten Rufer, den "Spiegel-Fechter" Augstein. Ihm wäre natürlich nichts lieber als ein Kanzlerkandidat Strauß. Nur dieser könnte durch sein Negativ-Image, so kalkuliert Augstein, den Wahlsieg der Union 1976 noch gefährden. Doch so weit wird es die CDU nicht kommen lassen. Wer Kohl züchtet, kann schließlich den Bock nicht zum Gärtner machen. Für Strauß ist das aber nicht weiter schlimm, denn wenn er an den Kohl nicht herankommt, kann er sein Glück ja mit Bananen versuchen... auf einer Südseeinsel! Klaus Löffler, 20 Jahre

Unzweifelhaft bringt Strauß (fast) alle Fähigkeiten mit, die einen Kanzler ausmachen. Intelligenz, Kaltschnäuzigkeit, Sachverstand und Mut zu Kompromissen. Und doch dürfte seine Kandidatur eher dem Anfang eines Bürgerkrieges gleichkommen. Warum? Weil die negativen Seiten dieses Politikers wie Unehrlichkeit, Hinterhältigkeit und seine Unbeliebtheit bei der bundesdeutschen Bevölkerung und unseren Nachbarn im Osten der deutschen Politik abträglich wären. Darum hoffe ich, daß Franz Josef Strauß nicht Kanzlerkandidat der CDU/CSU wird. Denn er könnte gewinnen. Rolf Dilger, 20 Jahre

Ich’habe nichts gegen diesen Mann als Bundeskanzler. Aber wenn er es werden will, soll er gefälligst politische Alternativen anbieten und sich einer sachlichen Diskussion stellen. Mit Appellen an die Angst der Bürger sollte in unserem Staat kein Politiker versuchen, die Macht zu erringen. Tut er es doch, so wäre es nur zu begrüßen, wenn er auf Grund einer vernichtenden Niederlage die politische Bühne verlassen müßte. Ulrich Keding, 17 Jahre

Ich will keinen Bundeskanzler, der in dieser Art schreit. Bundeskanzler müssen Denkmäler sein, wenn wir auch im Augenblick nur ein nervöses haben. Carla Krüger, 13 Jahre

Ein Bundeskanzler Franz Josef Strauß wäre gleichbedeutend mit sozialem Rückschritt im Inneren, Aufgabe der Kooperationsbemühungen und wahrscheinlichem Rückfall in den Kalten Krieg im Äußeren, noch stärkerem Ausbau der Unternehmer-Privilegien zuungunsten der arbeitenden Bevölkerung, Zurücknahme oder Verwässerung aller halbwegs liberalen und auf das Endziel von Chancengleichheit gerichteten Schul- und Hochschulreformen, eine Verstärkung der Hetze auf "linke". Lehrer, verbunden mit einer allgemeinen Intoleranz gegenüber allen Andersdenkenden und vieles mehr. Seine Wahl zum Bundeskanzler oder auch nur seine Kandidatur für dieses Amt wäre der Höhepunkt eines Rechtsrutsches in der BRD. Schon einmal hat Deutschland nach dem starken Mann gerufen. Ein Wahlgewinn der CSU/CDU mit einem Kanzler-Kandidaten Strauß hätte wohl nicht geringe Ähnlichkeit mit der "Machtübernahme" 1933, jedenfalls, was die Beweggründe der Wähler und die Folgen für die arbeitende Bevölkerung anbetrifft.

Andreas Jürgens, 17 Jahre

Strauß spielte von Anfang an die Rolle eines Chefs bei der CDU/CSU. Niemals allerdings gelang es ihm, Kanzlerkandidat zu werden. Gerade jetzt braucht die Union einen sogenannten "starken Mann" als Gegenspieler zu Helmut Schmidt. Strauß bringt alle Vorteile mit: Hohes Verständnis von der Politik, Kampfgeist und auch Humor! Warum sollte deshalb nicht gerade Franz Josef Strauß der richtige Mann sein.