Düsseldorf: "Heinz Mack – Handzeichnungen"

Eine kleine Auswahl war schon in der Galerie Reckermann in Köln zu sehen, jetzt sind die Zeichnungen von Mack zum erstenmal in einem Museum ausgestellt, rund 120 Blätter aus den Jahren 1956 bis 1974. Natürlich stehen sie im Zusammenhang mit Macks Arbeit als Kinetiker, der Objekte, Rotorten, Apparate konstruiert. Aber die Zeichnungen sind gerade das nicht, was man erwartet hätte: keine Entwurfsskizzen und Konstruktionspläne, die bestimmte Projekte vorbereiten, sondern Kinetik im Medium der Zeichnung. Die Strukturen auf weißem oder schwarzem Papier vermitteln den Eindruck von Licht und Bewegung, von Vibration, die sich über die Fläche ausbreitet. Dieser flächenkinetische Effekt wird durch neue technische Verfahren erreicht. Eingefärbte Garnrollen zeichnen ihre Spuren aufs Papier, haarfeine und kräftige Linien werden unregelmäßig über die Fläche "gebürstet". Oder er greift auf die alte Technik der Frottage zurück, die von den Surrealisten entwickelt wurde, um geheimnisvolle Strukturen durchzureiben und freizulegen. Aber Mack verwendet sie im Gegensinn zu den Surrealisten. Die Frottage wird nach rationalem Plan eingesetzt, und es sind keine Zufallsfunde, sondern vorwiegend Mack-Reliefs, die sich als schwingendes Lineament in gestufter Helligkeit auf dem Papier abzeichnen. (Kunstmuseum bis zum 19. Januar 1975, der im Verlag DuMont-Schauberg erschienene Bildband der Mack-Zeichnungen kostet 80,– DM) Gottfried Sello

Hamburg: "Jens Lausen"

Das Thema, mit dem sich Jens Lausen seit zehn Jahren befaßt, ist die "künstliche Landschaft", ein Gegenentwurf zur Natur, in dem die natürlichen Elemente der Landschaft einer geometrischen Prozedur unterworfen und idealisiert werden. In der künstlichen Landschaft wird der Berg zur Treppe und die Ebene zu einer spiegelnden Parkettfläche, die Schachbrettfelder suggerieren Ordnung, aber auch den leeren Raum, in dem sich farbige Ereignisse abspielen, eine "Farblandung" beispielsweise oder "Der freie Fall". Farbe kontrapunktiert das "lustfeindliche Grau" der künstlichen Landschaft, wobei der stereometrische Farbkörper so etwas wie einen künstlichen Regenbogen darstellt: Er übernimmt die Farben des Regenbogens und bringt sie als optisches Signal in die Landschaft ein. Bezugspunkte für die neuen Bilder, die Lausen seit 1971 gemalt hat, sind einerseits New York, andererseits Caspar David Friedrich. New York hat seine Idee vom künstlichen Raum mit Realität aufgefüllt ("Das Einatmen" und "Das Ausatmen der Stadt"). Die von Lausen betonte Beziehung zu CDF wäre allenfalls am Motiv des Horizonts nachzuweisen: Horizont als Grenze und Verbindung zwischen der natürlichen und der künstlichen Landschaft. Ein theoretisch fundierter, ein optisch eindrucksvoller Beitrag zur neuen Landschaftsmalerei (Galerie Kammer bis zum 30. Dezember, anschließend Bremen und Köln, Katalog 12,– DM).

Wichtige Ausstellungen:

Aachen: "Duane Hanson – 20 Skulpturen" (Neue Galerie-Sammlung Ludwig bis zum 1. Januar, Katalog 13,– DM)

Frankfurt: "Picasso und die Antike" (Liebighaus, Museum alter Plastik bis 2. Februar, Katalog 19,– DM)