Wie Bonn versucht, die Großunternehmen an die Leine zu legen

Von Dieter Piel

Die Wortschöpfer stehen links von der Mitte: Vor knapp zwei Jahren haben sie es zum allgemeinen Brauch gemacht, die multinational tätigen Großunternehmen kurz "Multis" zu nennen; und nun empfehlen sie, die Diskussion über diese gelegentlich auch als "Phänomen" apostrophierten Multis zu "entemotionalisieren" – dem SPD-Bundestagsabgeordneten Uwe Holtz ist diese schwierige Vokabel eingefallen. Die Zwischenzeit war an Emotionen, Vorurteilen und mitunter auch berechtigtem Ärger der Bonner Regierungskoalition über das Wirken der Multis nicht eben arm.

Begonnen hat der eigentliche Ärger, als in den ersten Monaten des Jahres 1973 immer neue Dollarmilliarden in die Bundesrepublik schwappten, von denen ein Teil aus den liquiden Reserven großer, weltweit operierender Unternehmen stammte. Damals mußte der österreichische Nationalbankpräsident resignierend feststellen, daß der Finanzdisponent des von den Niederlanden aus operierenden Elektrokonzerns Philips ihn binnen 24 Stunden mattsetzen könnte. Damals kam in Bonn auch das böse und bisweilen zutreffende Wort von den "Nebenregierungen" in den Chefetagen einiger Multis auf.

Kaum war der größte Ärger nach der Freigabe der Wechselkurse ausgestanden, da gab es neuen und noch schlimmeren. Die drastische Verteuerung der Ölpreise vor einem Jahr ließ den SPD-Linken und jetzigen Bundesforschungsminister Hans Matthöfer über "spektakuläre Mißbrauchsfälle" bei den Ölkonzernen klagen; die Jungsozialistin Heide Wieczorek-Zeul rief mit der herzerfrischenden Unbekümmertheit ökonomischer Laien gar nach Verstaatlichung der deutschen Töchter in-, ternationaler Mineralölkonzerne.

Helmut Schmidt, damals noch Finanzminister, riet seinem amerikanischen Kollegen, die in der Bundesrepublik tätigen US-Multis möchten sich doch "so verhalten, daß wir es vermeiden könnten, unsererseits zu intervenieren". Und selbst aus dem konservativen Wirtschaftsrat der CDU drang der Wunsch nach etwas mehr Kontrolle internationaler Unternehmensmacht.

Und jetzt dieser Kontrast: Bundeskanzler Helmut Schmidt, nunmehr Bundeskanzler, lädt eine erlesene Runde amerikanischer Konzernbosse in das Bonner Haus der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und begrüßt sie als "meine amerikanischen Freunde". Er lobt sie für ihr "einzigartiges Krisenmanagement im Bereich des Öls". Er nennt es "gefährlich, wenn multinationale Unternehmen zu Sündenböcken für soziale Spannungen gemacht werden". Und er versichert, seine Regierung denke "nicht im Traum daran, sich einer allgemeinen, heute beliebten negativen Einschätzung der multinationalen Gesellschaft an sich hinzugeben".