Nie war ein Jahr für die Großchemie so gut wie dieses. BASF, Bayer und Hoechst, jeder der drei deutschen Chemie-Multis, wird Ende des Jahres weltweit rund 20 Milliarden Mark umgesetzt, weit über eine Milliarde Mark brutto verdient haben und damit den Aktionären eine höhere Dividende spendieren und dennoch die Speckschicht der Rücklagen stärken können.

Die Dreivierteljahres-Zahlen signalisieren dies gute Ende: Mit plus 64 Prozent (gegenüber den ersten drei Quartalen des Vorjahrs) kletterte bei der Hoechst-Gruppe der Gewinn vor Steuern fast doppelt so rasch, bei der BASF und Bayer mit knapp 43 und gut 32 Prozent immer noch so hurtig wie jeweils der weltweite Umsatz. Der Boom, angeheizt vom teuer gewordenen Chemierohstoff Öl, kochte fast über.

Inzwischen ist die Chemiekonjunktur indes bereits wieder unter den Siedepunkt gefallen. "Das insgesamt gute Jahr", so wagt Bayer-Chef Herbert Grünewald den Vorgriff auf den Rückblick, "ist das Resultat eines hervorragenden ersten und eines deutlich abgeschwächten zweiten Halbjahres 1974." Zudem beginnt sich der Markt aufzufächern: Fasern und Kunststoffe sind seit einigen Wochen in die Flaute geraten, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, Pharmaerzeugnisse und organische Chemikalien haben noch immer und wohl noch länger Boom. Obwohl deshalb die Produktionsanlagen, die im Frühjahr noch voll ausgelastet waren, inzwischen nur noch zu vier Fünfteln der Kapazität genutzt sind, und obwohl für 1975 bei der Menge sogar Nullwachstum droht, sind Hoechst, Bayer und BASF guten Muts: Vom 1974er Speck läßt sich in einer kommenden Wachstumspause trefflich zehren. xs