Herbert Quandt, Konsul von Costa Rica und einer der reichsten Unternehmer Deutschlands, hat Grund zur Fröhlichkeit. Dem stets eher sorgenvoll wirkenden Großindustriellen schwemmt der Verkauf der Quandtschen Familienbeteiligung an Daimler-Benz aus dem Scheichtum Kuwait soviel Petro-Geld auf die Konten, daß er zunächst wohl vieler Liquiditätssorgen ledig ist.

Zwar bringt der Aktiencoup dem wohl scheusten aller deutschen Milliardäre nur knapp 200 Millionen Mark. Denn seit der Teilung des Familienkonzerns in eine Herbert- und eine Inge-Quandt-Division blieben dem Großunternehmer nur ganze 2,6 Prozent des Daimler-Stammkapitals. Aber anders als Schwägerin Inge, der damals rund 12 Prozent an der Stuttgarter Autofirma, im übrigen aber vergleichsweise bescheidener Industriebesitz zufielen und die jetzt wohl über 800 Millionen Mark aus dem Kuwait-Handel erlöst, weiß Herbert Quandt jede müde Million zu schätzen: Seine Industriegruppe, zu der vor allem Mehrheitsbeteiligüngen an BMW und Varta zählen, ist zum Teil heftig verschuldet.

Wie sein 1967 bei’einem Flugzeugabsturz umgekommener jüngerer Halbbruder Harald, doch sehr viel mehr als Harald-Witwe Inge schätzt Herbert Quandt (64) das unternehmerische Risiko. Getreu dem Vorbild seines Vaters Günther, der sich mit viel fremdem Kapital nach dem Ersten Weltkrieg durch Beteiligungen am Kalikonzern Wintershall, an der Varta-Vorgängerin Accumulatoren-Fabrik in Hagen und an der Berlin-Karlsruher Industriewerke AG einen stattlichen Konzern aufgebaut hatte, kaufte auch Sohn Herbert Aktienpakete und ganze Firmen auf Pump.

Doch anders als Konzerngründer Günther Quandt, der 1954 während eines Ägyptenurlaubs unerwartet starb, kam Firmenkäufer Herbert mit dem Familienrezept, die aufgenommenen Kredite aus den inflationsgeblähten Erträgen der gekauften Unternehmen zurückzuzahlen, in jüngster Zeit nicht immer zurecht. Zwar erwarb er Anfang der sechziger Jahre eine Mehrheit bei BMW, indem er seine übrigen Unternehmen belieh. Zwar zog er mit dieser Finanzmasche später auch elegant Firmen wie den Kindernahrungs-Hersteller Milupa oder den Kosmetik-Produzenten Mouson ("Das Haus der Postkutsche") in seinen Verbund.

Aber als die Konjunktur zu welken begann und die Schuldzinsen für das Fremdkapital schnell kletterten, geriet Quandt unvermeidlich in die Klemme: Seit längerem schon drängen Gläubigerbanken auf Tilgung oder Teilrückzahlung der Schulden. Selbst feine Daimler-Aktien wechselten als Pfand aus dem Quandt-Portefeuille in die Depots der Geldgeber.

Die Witwe Quandt, die zusammen mit ihren fünf Töchtern im Erbgang zur gleichberechtigten Konzernregentin geworden war, mochte auf Dauer der Geschäftspolitik des wachstumbesessenen Schwagers nicht folgen. Sie suchte für das Harald-Quandt-Vermögen ruhigere, weniger risikoreiche Anlage. Nach heftigen Auseinandersetzungen begannen Schwager und Schwägerin vor rund zwei Jahren mit der Trennung des schon damals rund vier Milliarden Mark schweren Konglomerats.

Die Teilung ist inzwischen so gut wie vollzogen. Inge Quandt hält nur noch an der Industrie-Werke Karlsruhe Augsburg AG (IWKA) und diversen kleineren Unternehmen paritätisch mit Schwager Herbert größere Anteile. Aus allen übrigen Firmen, die sie sich zunächst mit ihm teilen mußte, hat sich die Witwe gegen Aushändigung der jetzt fast ganz verkauften Daimler-Benz-Aktien zurückgezogen. Unbehelligt dominiert andererseits Herbert Quandt, ein Liebhaber stiller Machtausübung, bei BMW und im Varta-Bereich (1,45 Milliarden Mark Umsatz). Dort macht er Geschäfte mit Babynahrung und Autobatterien, Arzneimitteln und Fabrikentstaubungsanlagen.