Die Methoden, Touristen in eine Landschaft zu locken, sind in den verschiedenen Ländern unterschiedlich – und oft genug mißverständnisvoll. Polen zum Beispiel. (Während hier alles laut nach Ruhe schreit, protestieren die Polen gegen ein Photo, sanfter Pferdekarren auf polnischer Hauptstraße, das einen Artikel über die Ruhe im polnischen Land illustrieren sollte: das sei das falsche Image.)

Jetzt werben die Guten mit Tieren, mit Wölfen nämlich. Für Wintersportler: In den Karpaten wird es diesen Winter viel Schnee geben, weil es viele Wölfe gibt. Sagt das Forstamt im südostpolnischen Przemysl, das in seinem Forst bereits jetzt "150 Wölfe gezählt hat, annähernd doppelt so viele wie im vergangenen Herbst".

Die Forstbehörde glaubt in ihrem Bericht der polnischen Bauernregel "Je mehr Wölfe, desto winterlicher der Winter" und erläutert: "Die Raubtiere folgen ihrem hervorragenden Instinkt, wenn sie vor Einbruch besonders strenger Winter aus dem Gebirge in die Täler herabkommen. In der Nähe der Dörfer gibt es auch in strengsten Wintern reichere Beute, so daß die Überlebenschance für sie wesentlich größer ist."

Das ist jedenfalls eine pikante Werbung für Skihaserln, die keine Rotkäppchen sind.

Mut macht hier immerhin Polanski, der im "Tanz der Vampire" am Beispiel des Dracula-Dieners auf dem rasenden Schlitten gezeigt hat, daß man mit einem verfolgenden Wolf fertig werden kann.

Gleichzeitig dämpft aber auch die Wissenschaft die Schneehoffnungen der wolfsgläubigen Polenskifahrer: Der Wolfsinstinkt kann auch trügen. Wölfe können sich in ihren Wetterprognosen genauso irren wie menschliche Meteorologen.

Wolfram Runkel