Von Hans Endres

Hochzeiger? Noch vor wenigen Jahrzehnten war seine riesige Almen-Mulde im Pitztal nur zur Herbstzeit für eifrige Preiselbeerensammler aus Tirol von einiger Bedeutung. Sogar vom Arlberg kamen sie eigens wegen der Beeren hierher, unmittelbar aus dem Pitztal über Jerzens. An Skifahren in dieser Gegend dachte damals hier kaum jemand. Für brauchbare Skihänge war in diesem Tal kein Platz.

Die große Ausnahme bildete allein die "Jerzer Alm" unter dem Hochzeiger. Heute ist sie der Geheimtip vieler Skibegeisterter aus Tirol und Südbayern für ungestörte Genußfahrten, schneesicher von Dezember bis Ende April.

Wieder spielen die Preiselbeeren eine wichtige Rolle. Ihr Gestrüpp hält den Schnee fest, er kann weder vom Wind weggeblasen und weiterverfrachtet werden noch als Lawine abgehen. An vielbefahrenen Stellen oder bei nachösterlichen Aperflecken schonen Blätter und Ästchen die Skiflächen, statt daß Steine sie zerkratzen. Endlich wurde eine Skischule gegründet.

Durch Jerzens führt heute in vielen Kehren eine kühn angelegte, breite Asphaltstraße hinauf nach dem fast vergessenen Weiler Kaitanger und weiter zum Anfangspunkt der ersten Liftsektion. Hier entstand auch ein brauchbarer Anfängerlift. In fast 2000 Meter Höhe beginnt neben dem Hochzeigerhaus die zweite Sektion bis hinauf zum Niederjöchl (2358 Meter). Ein dritter Lift steht etwas weiter südlich, oberhalb der Waldgrenze und führt etwa zwei Kilometer zum Felderzeiger (2442 Meter). Von hier zum Gipfel des Hochzeigers ist es nur mehr eine halbe Stunde Aufstieg, mit herrlichen lief- und Panoramaausblicken, auch für ausgemachte Pistenfahrer ein lohnender "Spaziergang".

Der Anfänger findet leichte, weit ausholende Abfahrten ebenso wie der Könner rasante Steilfahrten oder präparierte Torlaufstrecken.

Der Pistenchef sorgt dafür, daß am Saisonbeginn, also im Hochwinter, nur südseitige Pisten präpariert angeboten werden, damit bis zum Saisonende nach Ostern an den weniger sonnengefährdeten Hängen immer noch beste Schneeverhältnisse für rauschende Firnfahrten erhalten bleiben. Wer sich aber keinesfalls an eine Piste fesseln lassen will, dem stehen überall dazwischen und am Rande unverspurte Schneehänge offen. Er kann sogar mit geringem Anstieg weiter nach Norden in eine fast ebenso weitläufige Westmulde unter Sechszeiger (2367 Meter) und Zeigerberg (2387 Meter) ausweichen, wo ihn niemand bei seinen Erstversuchen im Tiefschneefahren beobachtet. Heute braucht er allerdings etwas Geländegefühl und Orientierungssinn, um weiter unten durch lichte Zirbenbestände einen Durchschlupf auf die Hauptabfahrten beim Hochzeigerhaus zu finden. Die Sonne – sie scheint sogar zu Weihnachten von 10 bis 16 Uhr – prallt fast nirgends direkt auf die Hänge, sondern streichelt sie nur im schrägen Streiflicht. Der gefürchtete Sonnenharsch kann sich nur in Randpartien bilden.