Fast zwei Jahrhunderte lang hatten die Briten vor einem Kanaltunnel die Angst des Elefanten vor der Maus, die ihm in den Rüssel kriechen könnte. Die Generalstäbler winkten ab, sobald die Ingenieure mit Plänen und die Nationalökonomen mit Exportziffern kamen. Jetzt endlich schweigen die Militärs. Aber auch die Planer haben nichts mehr zu sagen, denn es fehlt am Geld. Das private Baukonsortium hat das Jahrhundertprojekt zu den Akten gelegt, weil es ihm am ausreichenden Kapital mangelt.

Schon hat auch die britische Regierung die aufwendige Schnellbahnverbindung London–Dover auf Eis gelegt. Die Umweltschützer in Kent jubilieren, wenn auch vermutlich nicht für lange. Statt eines schmalen Bahndammes ohne Abgase bekommen sie nun – ob Tunnel oder nicht – mehr Straßen zur Küste mit Verpestung und Unfällen.

Nicht daß das ganze Wühlvorhaben bereits endgültig erledigt wäre. Vielleicht kommt das britische Tunnelgesetz, das jetzt mangels privater Geldgeber zu verfallen droht, als Verstaatlichungsvorlage wieder. Wenn Londons weitere Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft sicher ist, mag vieles möglich werden. Ohne den Anschluß an Europa war ja das Buddelwunder ohnehin immer nur ein weißer Elefant.

K.-H. W.