Ab nach Bayern

Günter Nollaus Abschied aus seinem Präsidentenamt beim Bundesverfassungsschutz zieht sich hin – offensichtlich durch höhere Gewalt. Ursprünglich schon für die ersten drei Monate 1975 erwartet, wird er dem Amt wahrscheinlich noch bis in den Sommer kommenden Jahres erhalten bleiben. Der Grund: Ein in Bau befindliches Haus in Bad Tölz, wo Nollau im Frühjahr ganz unvermittelt durch die Guillaume-Affäre aus seinen Kurträumen gejagt wurde, wird nicht vor Sommer nächsten Jahres fertiggestellt. Bis dahin hoffen vor allem Politiker, denen an Nollaus vorzeitiger Pensionierung liegt, daß es möglichst ruhig um den Präsidenten werde. Jede öffentlich angestellte Spekulation über einen vorzeitigen Abschied oder über Schwächen seiner Behörde hat nach ihrer Beobachtung bisher in Nollau den Durchhaltewillen gestärkt.

Torschlußpolitik

Hongkong ist kein Freihafen mehr für Flüchtlinge aus China. Wegen der wirtschaftlichen Rezession und den sich verschärfenden Beschäftigungs- und Unterkunftsproblemen hat die britische Kronkolonie begonnen, illegale Einwanderer aus dem Mao-Reich nach China zurückzuschaffen. Der rasch anschwellende Strom von China-Flüchtlingen könne, so argumentiert die Regierung, in dem übervölkerten Stadtstaat nicht mehr absorbiert werden. Für 1974 wird eine Rekordzahl von 70 000 chinesischen Emigranten angegeben, von denen etwa die Hälfte "Freiheitsschwimmer" sind, die die Kronkolonie über die Wassergrenze erreicht haben – in 14stündigem Dauerschwimmen durch einen von Haifischen verseuchten Meerbusen. London will durch Absprache mit Peking aber auch die Zahl der Chinesen drastisch reduzieren, die die grüne Grenze nach Hongkong legal und mit gültigen Papieren überschreiten – von bisher 100 pro Tag auf höchstens 50.

Kein Geld für Getreide

Die Welternährungskonferenz ist am 16. November auseinandergegangen, ohne daß der geplante Getreidefonds für die unmittelbar von Hungersnot bedrohten Länder eingerichtet worden ist. Damals fehlte es, so hieß es, an Getreide und Geld. Nun haben die getreideexportierenden Staaten auf einer von der Sowjetunion und China boykottierten Konferenz in Rom nochmals ihre Bestände überprüft. Das Ergebnis: 7,5 Millionen Tonnen könnten zur Verfügung gestellt werden. Kostenpunkt: fünf Milliarden Mark. Doch nur die Finanzierung für zwei Millionen Tonnen ist gesichert; ob die Ölländer einen Beitrag leisten werden, ist zweifelhaft. Hungersnöte abwenden könnte die Lieferung von 2,2 bis 3,7 Millionen Tonnen Getreide an Indien, 1,8 Millionen Tonnen an Bangla Desh, 907 000 Tonnen an Pakistan, 300 000 Tonnen an die Sahelzone, 265 000 Tonnen an Tansania, 212 000 Tonnen an die Elfenbeinküste und 174 000 Tonnen an Ceylon.

China in Köln

Die Volksrepublik China wird im Juni 1975 eine Nationalausstellung auf dem Kölner Messegelände Veranstalten, die sich nach Angaben chinesischer Diplomaten nicht nur an Wirtschaftskreise, sondern vor allem an die Bevölkerung wenden soll, die dort auch chinesisch essen und trinken und chinesische Artikel kaufen kann. Den größten Anteil an der Ausstellung wird allerdings die Schwerindustrie haben. In der Abteilung Landwirtschaft sollen nicht nur Agrarprodukte, sondern vor allem auch die Arbeit von Produktionsgemeinschaften gezeigt werden.