Von Wolfram Siebeck

Jedes Jahr um diese Zeit, wenn der Regen sich mit Schnee vermischt, wenn die erste Grippe und die letzte Mahnung vom Finanzamt zur Abgabe der Steuererklärung uns ans Haus fesseln, bereiten uns die Zeitungen und Zeitschriften schon auf die Freuden des Sommerurlaubs vor. Wir lesen, wie schön es in der Carmargue ist, wenn dort die Blumen blüh’n, und was man gegen die Sommerhitze im Innern eines Wohnwagens tut. (Man hängt nasse Tücher auf.) Knapp und eindeutig ist ein Rat, mit dem die AD AC-Motorwelt ihre Leser auf den Urlaub einstimmt: "Auf Reisen niemals neue Schuhe mitnehmen!" Schuhe gehen in jedem Fall verloren, heißt das; ob sie in der feuchtwarmen Luft des Wohnwagens verschimmeln oder dem ADAC-Mitglied von den Füßen geklaut werden, während es gebannt seine Club-Zeitschrift liest.

Ein anderer Rat der Redaktion wirkt sich, bei von Millionen Mitgliedern, auf den Hersteller von Schlüsselanhängern nicht ungünstig aus: "Man sollte ein paar typische Kleinigkeiten aus Deutschland zum Verschenken mitnehmen. (Schlüsselanhänger mit Stadtwappen, Anstecknadeln, WM-Aufkleber aus München u. ä). Man erreicht damit – etwa beim Zoll – oft viel."

Wieviel man damit deshalb eine Probe aufs verraten. Machen wir deshalb eine Probe aufs Exempel.

Zollbeamter: "Willkommen in der Republik Kleptomanien. Würden Sie bitte Ihren Koffer öffnen?"

ADAC-Mitglied: "Wie wär’s mit einer ADAC-Anstecknadel? Eine typische Kleinigkeit aus..."

Zollbeamter: "Es tut mir leid, ich bin kein Mitglied. Würden Sie nun freundlicherweise Ihren Koffer öffnen? – Danke. Was ist das hier?"