Wie man im krisengeplagten England mit Prestigeartikeln gute Geschäfte macht

Die Adresse ist nobel, die Firma fein. Seit sich 1907 der gelernte Sattler Alfred Dunhill in Londons Duke Street mit einem Tabakwarenladen niederließ, ist die Straßennummer 30, Ecke Jeremy Street, zu einem Mekka für Pfeifenraucher aus der ganzen Welt geworden.

Zunächst hatte sich der Firmengründer allerdings nur auf das Angebot individuell gemischter Pfeifentabake beschränkt. Noch heute können Kunden sich ihre ganz eigene Mischung zusammenstellen lassen. Und noch heute wird jede Rezeptur – sofern gewünscht – im "My Mixture"-Buch handschriftlich festgehalten. Bis heute gibt es über 35 000 Eintragungen.

Doch bald schon entdeckte Dunhill die Zigarettenraucher. Er entwickelte, so die Firmengeschichte, die "erste Filterzigarette der Welt".

Bedeutender freilich war die Erfindung der "Dunhill-Pfeife": Aus bestem Bruyère-Holz (einer Baumweide, die vornehmlich in Mittelmeerländern wächst), von gediegener Handarbeit und mit einem weißen Punkt auf der nach oben zeigenden Seite des Mundstücks – für Kenner mit einem Blick als eine "Dunhill" auszumachen. Makel darf der Pfeifenkopf nicht zeigen. Freilich, der "Ausschuß" – immerhin über 80 Prozent – wird gewinnbringend an eigene Tochtergesellschaften oder fremde Pfeifenhersteller weiterveräußert. Für soviel Exklusivität hat der Dunhill-Freund einige finanzielle Opfer auf sich zu nehmen. So gibt es zwar eine einfache Ausführung für elf Pfund (rund 66 Mark), doch die feineren der über hundert Modelle zählenden Pfeifen-Kollektion kosten einige hundert Mark. Zu den Topmodellen zählt eine Pfeife, deren Kopf mit einer Goldkrone besetzt und mit Tigeraugensteinen an deren Zacken verziert ist. Preis: 425 Pfund (rund 2550 Mark).

Schließlich können auch Zigarrenraucher Alfred Dunhill und seinen Nachfolgern vollstes Vertrauen entgegenbringen. Seine Havannas – auch Fidel Castro konnte sich nicht versagen, den exklusiven Londoner Laden zu beliefern – werden in einer temperierten Kammer im Londoner Haus nachgereift. Dort hat die Stammkundschaft eigene Zigarrenfächer.

Der bedeutendste Umsatzträger ist allerdings das gleichfalls exklusive Dunhill-Feuerzeug, seit 1924 im Sortiment. Das derzeit teuerste Modell – ein rund 75 Zentimeter großes Tischfeuerzeug auf einem Elefantenzahn – ist mit 12 250 Pfund (rund 73 500 Mark) so teuer wie ein bescheidener Rolls-Royce. Das kostbarste Taschenmodell – aus Platin, mit Brillanten besetzt – ist für knapp 4000 Pfund (24 000 Mark) zu haben.