Es ist keineswegs so, als machten sich die Städte und Gemeinden keinerlei Gedanken darüber, wie und wo sie Geld sparen könnten. Sie denken sogar unentwegt darüber nach, und sie haben sich eigens eine Organisation geschaffen, die ihr dabei mit Rat zur Seite steht. Ihr Name: Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGST).

Der Name mag freudlos klingen, aber der Schein trügt. Die KGST, einschließlich der zuarbeitenden Putzfrauen 31 Köpfe stark, residiert in einer der feinsten deutschen Wohnadressen: Köln-Marienburg, Lindenallee. Das Haus des Deutschen Städtetages, in dem sie über eine einfachere und preiswertere Arbeit der öffentlichen Verwaltung tüftelt: ein 14-Millionen-Terrassen-Haus, neben dem sich die benachbarten Heime rheinischer Finanzbosse eher mickrig ausnehmen.

Das Haus, eine architektonische Augenweide, lockert ein gepflegtes Parkareal von rund 12 000 Quadratmetern auf, dessen Wert in den 14 Millionen natürlich nicht enthalten ist. Im Inneren, wo neben den Verwaltungsvereinfachern noch die Crew des Städtetages selbst und einige Nebenorganisationen – alles in allem rund 135 Leute – wirken, besticht durch distinguierte Weitläufigkeit. Es strahlt jene Ruhe aus, die wohl unerläßlich ist, wenn das Problem der öffentlichen Sparsamkeit gründlich durchdacht werden soll.

Und diese Gründlichkeit sollte man der KGST zuallerletzt absprechen. Denn: Ihre Mannen zerbrechen sich seit nunmehr schon über 27 Jahren den Kopf, was man alles einfacher machen könnte. "Vier bis fünf Grundsatzgutachten", betont ihr Leiter Karl-Heinz van Kaidenkerken, dazu noch "ungefähr 30 Berichte", werden jährlich produziert. Sie haben lediglich den kleinen Nachteil, daß nieman so recht weiß, ob sie denn auch wirklich zu Vereinfachungen im Bereich der kommunalen Verwaltung geführt haben. "Die Kommunen sind", teilt van Kaidenkerken freundlich mit, "nicht verpflichtet, uns darüber etwas mitzuteilen."

Fehlende Resonanz hat die KGST keineswegs müde gemacht. Seit kurzem denkt sie sogar darüber nach, ob nicht die eine oder andere Aufgabe, die bislang von den Kommunen wahrgenommen wird, besser an Privatunternehmen übertragen werden sollte. Zweifel, ob Müllmänner und Kammerjäger, Busschaffner und Friedhofsgärtner unbedingt in städtischen Diensten stehen müssen, sind den KGST-Leuten bereits zu Ohren gekommen.

Sie glauben indes nicht so recht daran, daß diese Zweifel berechtigt sind. Van Kaldenkerken sorgt sich, daß etwa private Müllabfuhr-Unternehmer "Monopolisten" werden und sich an den Bürgern bereichern könnten – Zahlen, die das belegen könnten, hat er jedoch nicht zur Hand. Auf die Nachricht, daß etwa der Hamburger Senat im Zuge seiner Sparmaßnahmen – ganz wie ein Monopolist – künftig auf die Reinigung der Gehsteige verzichten und dadurch 110 städtische Arbeitsplätze "abbauen" will, reagiert er milde: "Der Senat muß wissen, was er tut."

Die Abgewogenheit und Zielstrebigkeit der KGST hat sich längst auch in Bonn herumgesprochen. Das Bundesinnenministerium hat mit der kommunalen Gemeinschaftsstelle eine "Arbeitsgemeinschaft" gegründet. Von Bonner Seite nehmen daran ein Ministerialrat und die Mitarbeiter seines Referats teil. Der Erfolg ist augenfällig: Die Arbeit der Bundesregierung ist bekanntlich erheblich einfacher und sparsamer geworden. Dieter Piel