Selten sind vollmundige Politikerworte so schnell verdorrt wie zu Anfang dieser Woche. Der CDU-Abgeordnete Abelein sagte nach der Paraphierung des Briefwechsels, mit dem eine noch nicht endgültig beschlossene Verlängerung des Interzonenhandelskredits geregelt werden soll, die Bundesregierung habe "wieder einmal grundlos die Interessen der Menschen in Deutschland verschenkt". Der CSU-Abgeordnete Höcherl meinte, die Bundesregierung habe "offensichtlich genügend Geld, um die Abgrenzungspolitik der Zonen-Machthaber zu honorieren". Und der Geschäftsführer der Unionsfraktion, Reddemann, warf der Bundesregierung vor, sie sei "wieder ihren alten Illusionen zum Opfer gefallen".

Kaum waren diese Kraftworte verhallt, da überreichten die DDR-Unterhändler Mitdank und Nier dem Berliner Senat und dem Vertreter der Bundesregierung in Ost-Berlin eine lange Liste von Angeboten und Vorschlägen. In ihr fehlt kaum einer der Punkte, die auf den Bonner und West-Berliner Wunschzetteln standen. Nicht alles davon ist so definitiv wie die überfällige Befreiung der Rentner vom Zwangsumtausch oder die zusätzlichen Erleichterungen im Besucherverkehr. Anderes muß noch unterschrieben, vieles erst noch im Detail ausgehandelt werden. Aber nimmt man das Greifbare und das vielleicht Erreichbare zusammen, dann ist das mehr, als Fanatiker wie Abelein mit ihren utopischen Forderungen je erreichen werden. Es ist ein Erfolg zäher und geduldiger Verhandlungspolitik, mit dem sich die Bundesregierung sehen lassen kann.

J. N.