Der Großwildjäger erlaubte sich beklommen einen kleinen kolonialistischen Scherz: "Ich will auf eine Safari gehen, aber nicht in einem Kochtopf landen." Gerüchten zufolge seien bei den Karuma-Wasserfällen in Uganda in solchen Mengen Leichen angeschwemmt worden, daß das Elektrizitätswerk nicht mehr funktioniere. Der Reiseinteressent will nun vom Reiseveranstalter wissen: "Was haben Sie dazu zu sagen?" Die Antwort gibt Odo Willscher: "Ich habe zu sagen, daß es bei den Karuma-Fällen kein Elektrizitätswerk gibt."

Odo Willscher, Chef des gleichnamigen Hamburger Safari-Service, ist ein Jäger und Geschichtenerzähler. Vor dem Krieg hat er sechs Jahre als Forstingenieur in Afrika gelebt, ist Regierungsberater verschiedener afrikanischer Länder, hat in Uganda und Tansania die Wildlife-Organisationen aufgebaut, kennt die Staatschefs und Minister zum Teil noch aus ihrer Kinderzeit und natürlich jeden Jagdführer zwischen Tunis und Kapstadt. Der ungewöhnliche Reiseveranstalter ist Oberförster, Zoologe, Biologe, Photograph und nebenbei Buschpilot. Von seinen eminenten Reise- und Jagderfahrungen zeugen zwei Dutzend vollgestempelte Pässe, der Fernsehfilm "Tiere und Trommeln", verschiedene Afrika-Bildbände und ein Tierbildarchiv mit 30 000 Farbdias. Jede Safari aus dem Prospekt hat er selbst erprobt, in jedem Gebiet selbst gejagt. Willscher: "Wo die Erfahrung aufhört, beginnt das Abenteuer."

Abenteuer genug, wenn die Erfahrung lehrt, daß der verwundete Büffel zum Angriff übergeht. Immerhin: In 29 Jahren hat es bei insgesamt annähernd 3000 Safaris nie einen Jagdunfall gegeben.

Odo Willscher gründete seine Firma im September 1945. Die Vorgeschichte: "Damals in Afrika wurde nur in der Regenzeit Mahagoniholz geflößt. In den heißen, trockenen Monaten gingen wir auf die Jagd. Manchmal wollte sich ein Freund aus Deutschland anschließen – oder der Freund eines Freundes."

Inzwischen sind; viele berühmte Wildtöter mit dem leidenschaftlichen Jäger und Afrikakenner auf schmalem Negerpfad geschritten, darunter der verstorbene VW-Generaldirektor Nordhoff und der Oberkonsistorialrat Gerstenmaier.

Programmschwerpunkt ist Afrika ("von der Saujagd in Tunesien bis zur Farmjagd in Südwest"). Die reichsten Wildreviere gibt es in Uganda ("Der General spinnt vielleicht ein bißchen, aber uns tut er nichts"), Kenia, dem Sudan, Kamerun, Rhodesien und Südwestafrika. Die Safarigruppen bestehen in der Regel aus zwei (bis vier) Jägern mit Jagdführer und acht bis zehn Eingeborenen (Fährtensucher, Skinner, Koch, Fahrer, Diener). Bei einer Safari von drei Wochen wird jeder Jäger von etwa 15 Wildarten, darunter nach Vereinbarung möglicherweise auch Löwen und Leoparden, je ein Stück erlegen. Die Trophäen werden an Ort und Stelle vorpräpariert und per Seefracht nach Deutschland geschickt. Eine Großwildjagdsafari kostet ohne die Flugreise pro Tag und Person etwa 380 Mark (vier Wochen Uganda für einen Jäger mit Jagdführer einschließlich Flug: 18 979 Mark).

Odo Willschers Safarireisende, häufig Berufsjäger, Ärzte, Industrielle, Manager, jagen in 32 Ländern der Erde, nächst Afrika namentlich in Persien, Alaska, Chile und Argentinien, aber auch in Indien, Kanada, Australien und Neuseeland. Der Veranstalter hat sein Unternehmen bislang Wein und unaufwendig gehalten ("Ich habe immer versucht, das Vernünftige und Weidmännische in den Vordergrund zu stellen, nicht das Kommerzielle"). Der Safari-Service in Hamburg-Bergedorf (Postfach 801 048) ist ein Familienbetrieb. Es gibt fünf Mitarbeiter, ungefähr 500 Stammkunden und normalerweise eine Prospektauflage von 5000 Exemplaren. Der Jahresumsatz allein der Flugkosten liegt zwischen 300 000 und 400 000 Mark. Der Umsatz der Landarrangements dürfte noch einmal eine bis 1,2 Millionen betragen. bo