"Bird on a wire" von Tony Palmer

Die Fernsehdokumentation von Leonhard Cohens Europa-Tournee 1972 schwankt zwischen andächtiger Beweihräucherung eines Idols und halbherziger Kritik. Wie clever und eitel dieser Star, der von seiner Begleitband und den Managern ständig bei Laune gehalten werden muß, sein Innenleben vor dem Publikum ausbreitet und für die Dokumentarkamera schauspielert, ist ein Akt persönlicher Selbstentblößung, der aber seinen Mythos kaum beschädigt. In einem Moment der Wahrheit gesteht Cohen ein, daß er seine eigenen Platten nicht einmal eine halbe Stunde lang ertragen könnte. Da Cohen selber die letzte Fassung schneiden durfte und Palmers kritisches Konzept zunichte machte, ist der Film nicht mehr als ein TV-Feuilleton für gläubige Fans.

Franz Schüler

"Es war nicht die Nachtigall" von Sigi Rothemund

Shakespeare im Titel, Bilder aus der Zigarettenwerbung im Sinn, inszeniert Regisseur Rothemund die Pubertätsfreuden und -leiden eines Siebzehnjährigen als glatte Mischung aus Halbwahrem und Halbnacktem. Der österreichische Dramatiker Wolfgang Bauer ("Magic. Afternoon") immerhin hat das Drehbuch geliefert. Doch verkommt seine Neigung zum Deftigen unter den Händen eines Busenfetischisten zu miesem Kabarett im modischen Soft-Porno-Look. Bodo Fründt

La Paloma" von Daniel Schmid

Auch in seinem zweiten Kinomelodram nach "Heute nacht oder nie" plündert Daniel Schmid den Fundus europäischer Salonkultur. Die Liebesgeschichte des degenerierten Grafen Isidor und der schwindsüchtigen Sängerin Paloma ist mitsamt dem makabren Horrorfinale aus Versatzstücken bekannter Trivialliteratur zusammengefügt. Dabei hat Schmids Umgang mit Vorgefertigtem nichts von der anarchistisch-spielerischen Kraft seines Vorbilds Werner Schroeter. Der Film profitiert von der Nostalgie-Industrie, sorgt aber insofern für ein Genuß-Alibi, als er sich als weiterer Schwanengesang einer sterbenden Klasse interpretieren läßt. Als Information ansehenswert. Ekkehard Pluta