Von Paula Körber-Dorsch

Was uns in die vielgerühmte Arena von Ischgl mit ihren 950 Hektar bäum- und schattenlosem Schneeteppich brachte, waren nicht die etwas albernen Prospekttexte ("Gaius Julius Caesar hätte fürwahr seinen römischen Zirkus vergessen – wenn er das nicht tat, dann nur, weil er die Silvretta-Ski-Arena noch nicht kannte."), sondern Flüsterpropaganda, der Skiläufer viel mehr trauen als jedem Prospekt.

Die Flüsterpropaganda für Ischgl scheint Methode zu haben: Fast immer sind die 2500 Betten von Weihnachten bis Ende April ausgebucht – zu 70 Prozent von Deutschen, die überwiegend auf eigene Faust herkommen, und zwar meist schon zum zweiten- oder auch zum zwanzigstenmal.

So wie der Karl von der Post in Frankfurt aus unserer Pension, der seine 16- und 17jährigen Söhne dort auf die Bretter stellen wollte, wo er selbst in ihrem Alter einst gelernt hat. Er wohnt beim gleichen Skilehrer und Wirt wie damals. Der hat nach seinem Aufstieg zum Ski-Schuldirektor zwar angebaut, aber sonst ist alles beim alten geblieben wie in den meisten Gasthöfen von Ischgl: Vater Skilehrer, Sohn kocht, Mutter macht die Betten. Den Preisanstieg gegenüber früher kompensiert Karl wie viele Oldtimer mit seinem Butterbrot im Rucksack. Zünftigkeit nämlich wird in Ischgl noch nicht belächelt.

Die große Anhänglichkeit der Gäste wird auf den ersten Blick verständlich: Das propere Tirolerdorf mit seinen Holzbalkons, Zitherklängen und Speckknödeln appelliert so recht an deutschen Gemütlichkeitssinn. Kein Apartmentblock, keine betonierte Massen-Hotellerie verfremden die Kulisse des 1000 Seelen-Dorfes, dessen weißbemützte Schindeldächer sich demütig unter dem Kirchturm der barocken St. Nikolaus-Kirche kauern. Fast jeder geht hier noch zu Fuß, weil die beiden Gondelaufzüge so mittendrin liegen, daß es von jedem Quartier in Ischgl nur ein paar Schritte bis zur Talstation sind.

Die Beschaulichkeit drunten im Tal wird kontrastiert von modernem Pisten-Management droben auf dem Skizirkus der Idalpe, wo es Ski satt gibt für alle, egal, ob Stümper oder Star. Der Anfänger fährt morgens besser mit der 100-Mann-Gondel der Silvretta-Bahn hinauf zum sanften Gelände der Idalpe (2311 m), wo er viel Platz und wenig Gefälle für die ersten Rutscher am Übungslift findet.

Der einigermaßen Standfeste benutzt lieber die Vierer-Gondeln der neueren Silvretta-Bahn-Ost, die hinauf zum Pardatschgrat (2624 m) führt – einesteils des geringeren Andrangs wegen, andernteils, weil dort oben an der Gipfelstation bei gutem Wetter an der Schneebar ein köstlicher Aprikosenschnaps ausgeschenkt wird als "Kurvengeist".