Die Sendung "Jetzt red i" ist ein großer Erfolg

Man nehme eine zünftige Blasmusik, schenke Freibier aus, lasse eine schöne Frau wie die Fernsehansagerin Carolin Reiber auftreten und dann die Leute daherreden – möglichst frei von der Leber weg. Das alles gehört mit zum Erfolgsrezept einer Fernsehsendung, die sich in Bayern seit zweieinhalb Jahren ungeheurer Beliebtheit erfreut: Sie heißt recht kategorisch "Jetzt red i", was feiner, dafür aber auch preußischer mit "ich darf doch mal ums Wort bitten", übersetzt werden könnte.

Ungefähr zehnmal im Jahr zieht die Münchner Abendschau (ARD-Regionalfernsehen) mit den Farbkameras in große Wirtssäle in kleinen Städten des Südstaats und läßt die Bürger mit ihren Sorgen und Wünschen zu Wort kommen. Etwa zehn Tage nach der Aufzeichnung des Gasthaus-Diskurses nehmen dann Minister und Verbandsobere im Studio zu ausgewählten, zumeist exemplarischen und symptomatischen Fragen, aber auch zu den lautgewordenen Einzelschicksalen Stellung.

Anfangs waren die Männer aus dem Kabinett Goppel übrigens gar nicht scharf auf den Dialog zwischen Regierten und Regierenden via Fernsehen. Zu unmittelbar fühlten sie sich möglicherweise zur Rechenschaft gezogen. Inzwischen aber ziehen sie gern den Wald- und Gebirgs-Smoking (Trachtenanzug) an und gehen froh ins Studio. Denn der Riesenerfolg dieser Sendung färbt offenbar auf jeden ab, der daran irgendwie beteiligt ist. So werden der Redakteur Franz Stefani, der die Idee für die Wirtshausdemokratie hatte, und Abendschau-Chef Heinz Burghart, der die Politiker-Runde im Studio moderiert, draußen auf dem Land gefeiert wie sonst vielleicht Fußballspieler oder CSU-Matadore. Und Franz Schönhuber, souveräner "Jetz red i"-Showmaster, der sowohl wie der Karl vom Bau als auch nach Gutsherrenart daherreden kann, wird regelrecht umjubelt.

Nett und schlitzohrig

Journalisten-Kollegen sagen schon – neidisch bis furchtsam: Noch 50 Sendungen und der Schönhuber, der in rascher Zeit als Zeitungs-Kolumnist die gesamte politische Landschaft von links bis rechts durchmessen hat, ist König von Bayern. Dennoch, wenn "Jetz red i" fast überall draußen auf dem Land ein Beben der Heimaterde, zumindest aber freudige Volksfeststimmung auslöst, dann ist dies in erster Linie ein Verdienst der Bürger, die sich vor den Fernsehkameras schneidig zu Wort melden: Nett und redlich zumeist die Schwaben, schlitzohrig, spitzbübisch und vorwiegend heiter selbst bei heiklen Dingen die Altbayern, nüchterner, aber auch aggressiver die Franken. Die weißblaue Massen-Talk-Show lebt "von der Atmosphäre in den Wirtshaussälen und in Ober- und Niederbayern speziell auch von den komödiantischen Auftritten vieler Fragesteller", wie Heinz Burghart ohne Umschweife zugibt.

"Bundesweit würde die Sendung sicher durchfallen", glaubt Burghart, "aber im Rheinischen oder in kleinen Städten Baden-Württembergs zum Beispiel könnte sie durchaus so wie bei uns in Bayern Erfolg haben."