"Welches auch immer die Leute sein mögen, die eine legale Macht erhalten, so ähneln sie sich zutiefst." Das sehr summarische Urteil lautet: zwischen Gaullisten, Sozialisten und Kommunisten gebe es da keinen Unterschied. Nur die "Maos" seien anders, denn sie befänden sich "auf der Ebene vollständiger Illegalität". Solch eine Haltung hat in der marxistischen Bewegung keine Tradition, sie war die Ursache für den Streit zwischen Marx und Bakunin. Bakunin plus Mao, also das 19. Jahrhundert plus China. Es ist fraglich, ob sich daraus ein Konzept für das gegenwärtige Frankreich ergibt.

Sartres persönliche Problematik drückt sich darin aus, daß er, ein Intellektueller, darunter leidet, ein Intellektueller zu sein. "Der Intellektuelle", so sagt er, "darf sich nicht für einen Führer der Völker halten, aber er muß so rasch wie möglich seinen Platz im Volke einnehmen." Die "Maos" wurden Fabrikarbeiter unter der Losung "Dem Volke dienen", sie empfanden Haß gegen Intellektuelle – eine subtile Form des Selbsthasses. Das findet man auch bei Sartre, wenn er seine "Schriftsteller-Neurose" gesteht. Der Intellektuelle solle in sich die Arbeitsteilung überwinden, ins Volk gehen, auch Handarbeiter sein. Der Anspruch ist nicht neu, er wird fast in jeder Generation erhoben, die Resultate waren bisher bescheiden.

Sartre reduziert die Rolle des Intellektuellen aufs äußerste: Seine Aufgabe sei nicht, Ideen zu formulieren, sondern Aktionen im Volk auszulösen. Der politische Funktionär werde den Intellektuellen auslöschen; aber trotz aller Anstrengung vermag Sartre dieses Ziel nicht zu erreichen. Denn zum Bedauern seiner politischen Freunde (und nicht ohne eigenen Schmerz) schreibt er am vierten Band über Flaubert und verspricht erst für die Zukunft einen "Volksroman", von dem er freimütig sagt, er wisse nicht, was das eigentlich sei.

Sartre bekennt, aus "zwei Typen von Intellektuellen" zu bestehen: dem klassischen und dem revolutionären. Der Kampf zwischen beiden geht weiter, ohne daß ein Ende abzusehen wäre. Man findet hier auch die bedeutungsvolle Aussage: "Natürlich existiere ich für euch nur in dem Maße, wie ich für euch nützlich bin." Aber was geschieht, wenn diese Nützlichkeit aufhört? In dem Gespräch überwiegt die Freundlichkeit, strittige Fragen werden zerredet oder ausgeklammert. Nicht zu übersehen ist, daß sie vorhanden sind.