Die Ankündigung von Goldverkäufen durch das US-Schatzamt verschreckte die Spekulanten nur kurzfristig. Die amerikanische Münzanstalt erweitert ihre Einrichtungen zum Prägen von Goldmünzen. Die First National City Bank baut in ihrer Zentrale in der Park Avenue in New York einen Spezialtresor für Gold. Fünf Börsen richten sich auf den Gold-Terminhandel ein: Amerika bereitet den Goldrausch vor.

Von 1975 an dürfen Amerikaner zum erstenmal seit 1934 wieder Gold kaufen, besitzen und auf Termin handeln. Regierung und Notenbank überlegen noch, ob der Startschuß schon Anfang 1975 oder erst zur Jahresmitte fallen soll.

Die Goldlobby schert sich indes wenig um den Zeitpunkt. Wie immer, wenn neue Tendenzen auf dem Markt zu erwarten sind, hat sie die Entwicklung schon vorweggenommen. Der offizielle Goldpreis, den es trotz allem noch immer gibt, steht bei 42,22 Dollar je Feinunze (31,10 Gramm); der Marktpreis für Gold stieg jedoch schon im November 1974 auf 190 Dollar, den höchsten bisher erreichten Stand.

Aber wie ein Blitz aus heiterem Himmel fiel der Marktpreis Anfang Dezember auf 170 Dollar zurück. Anlaß dazu war die Ankündigung des US-Schatzministers William Simon, daß das Schatzamt am 6. Januar 1975 aus offiziellen Goldbeständen in Höhe von 276 Millionen Feinunzen zwei Millionen Feinunzen zu Marktpreisen verkaufen werde. Simon erklärte, er wolle auf diese Weise verhindern, daß Anfang des Jahres zur Befriedigung der privaten Nachfrage Gold importiert werden müßte. Goldimporte würden den Dollarkurs drücken und damit tendenziell zu einem Anstieg der Importpreise führen. Den Buchgewinn zwischen offiziellem Goldpreis und dem Marktpreis will Simon zur Reduzierung der Staatsschulden verwenden.

Seit der offiziellen Beendigung des Abkommens über die Teilung des Goldmarktes in einen offiziellen und einen freien am 11. November 1973 dürfen Zentralbanken Währungsgold zum Marktpreis verkaufen, aber nicht kaufen. Von diesem Recht will jetzt zum erstenmal das US-Schatzamt Gebrauch machen. Zum Unterschied von der Franzosen und den in dieser Frage unentschlossenen Deutschen wollen die Amerikaner das Gold aller währungspolitischen Funktionen entkleiden.

Der Finanzminister von Südafrika, des größten Goldproduzenten der Welt, glaubt nicht, daß die amerikanischen Verkaufe aus offiziellen Beständen einen Umfang annehmen werden, der den Marktpreis nennenswert drücken könnte. Er rechnet schon im ersten Drittel des neuen Jahres mit einem Preis von 200 Dollar. R. H.