Von Gunhild Freese

Steinway", so lobte der jugendliche Klavierstar James Tocco, "ist die Freude eines Pianisten". Clara Haskil preist den "unvergleichlichen Wohlklang" der Steinway-Instrumente. Christoph Eschenbach sieht in dem Musikmöbel "nicht nur ein Instrument", sondern ein "Kunstwerk ersten Ranges" und Wilhelm Kempff schlicht "die Erfüllung".

Die Huldigungen der internationalen Pianistenriege an die Produkte der New Yorker Piano-forte-Fabrikanten Steinway & Sons sollen freilich auch weniger prominente und weniger talentierte Klavierenthusiasten zu Steinway bekehren. Denn überall, so eine Werbebroschüre der Hamburger Dependence, wird der Wunsch geweckt, "diesen Klang für immer zu besitzen. Der Wunsch", so weiter im Werbetext, "ist erfüllbar."

Als Weihnachtswunsch freilich kommt ein Klavier oder Flügel von Steinway nicht mehr in Betracht. Grund: Sechs Wochen lang wurde das Klavierwerk in Hamburg-Bahrenfeld bestreikt, das die gesamte Welt außer USA und Kanada beliefert.

Die Arbeitsniederlegungen ihrer hochqualifizierten Pianobauer haben die Hamburger nicht eigenen Versäumnissen zu danken, sondern einer Tarifauseinandersetzung zwischen der Hamburger Bezirksleitung der Gewerkschaft Holz und Kunststoff und dem Arbeitgeber verband der Holz- und Kunststoffindustrie. Der Streitpunkt – dreizehn Prozent höhere Löhne forderten die Gewerkschafter, die Arbeitgeber setzten 8,4 Prozent dagegen – führte schließlich zum Streikbeschluß der 250 gewerblichen Arbeitnehmer bei Steinway, "dem größten Betrieb der Branche", so Horst Morich, Hamburger Bezirksleiter der Holzgewerkschafter.

Seit Montag dieser Woche werden die Nobel-Pianos wieder gebaut. Die Steinway-Belegschaft, die bis auf zwei Leute gewerkschaftlich organisiert ist, hat sich zu 53,5 Prozent für den von Gewerkschaft und Arbeitgebern ausgehandelten Kompromiß (eine 8,9prozentige Lohnanhebung sowie eine einmalige Zulage von 300 Mark für die Steinway-Beschäftigten) ausgesprochen.

Steinway-Liebhaber indes müssen nun noch länger auf die Erfüllung ihres Wunsches warten, was ohnehin einige Geduld erfordert. Denn die Lieferzeiten sind – je nach Modell – beträchtlich: zwischen ein und drei Jahren. Monatlich verlassen die Bahrenfelder Fabrik rund 120 Flügel (fünf verschiedene Modelle) und 60 Klaviere (zwei Modelle). Letztes Jahr produzierten die Hamburger Steinway-Werker 1200 Flügel, 45 Prozent davon gingen in den Export, und 700 Klaviere, rund ein Drittel, wurden außerhalb der Bundesrepublik verkauft. In diesem Jahr, so der Direktor für die deutschen Aktivitäten, Siegfried Maczijewski, "ist alles anders" – der Streik hat Steinways Soll und Haben durcheinandergebracht. So hat denn ein Besucher des Hamburger Steinway-Hauses einige Mühe, in den Verkaufsräumen Steinway-Modelle zu finden. Die Verkäufer in Hamburg und Berlin, wo es ein zweites Steinway-Haus gibt, sowie rund 100 Steinway-Vertreter in der Bundesrepublik und weitere 150 Vertreter im Ausland müssen sich derzeit begnügen, Konkurrenzprodukte anzubieten.