Geld von Kommunisten

Zum Beleg dessen zitiere ich eine von Röhl selbst formulierte, ihm von Carl-Christian Kaiser abgerungene, von den Vertretern der "Studentischen Ausschüsse gegen Atomrüstung" mehrheitlich gebilligte Erklärung vom 26. 7. 1958, die "konkret" abzudrucken versprach, die Röhl konsequenterweise in seinem Buch unterschlagen hat: "Auf Grund verschiedener Anfragen erklärt die Redaktion, daß die Zeitung ‚konkret‘ nicht das Organ der Ausschüsse gegen Atomwaffen an den einzelnen Universitäten oder der Informationszentrale dieser Ausschüsse ist und auch sonst in keinem organisatorischen Zusammenhang mit der Informationszentrale steht." Und weiter enthält dieses Protokoll folgende Zusage Röhls: "Herr Röhl wäre bereit, notfalls unter Eid zu erklären, daß seine Zeitschrift keine finanziellen Zuwendungen von kommunistischen Gruppen oder Einzelpersonen erhält."

Röhls Memoiren widerlegen seine damaligen Erklärungen – er kann von Glück sagen, daß er keinen Meineid geschworen hat. Was, damals wirklich geschah, ist wissenschaftlich erforscht in der vom Historiker Karl Dietrich Bracher betreuten Dissertation –

Hans Karl Rupp: "Außerparlamentarische Opposition in der Ära Adenauer – Der Kampf gegen die Atombewaffnung in den fünfziger Jahren – Eine Studie zur innenpolitischen Entwicklung der BRD"; Pahl-Rugenstein-Verlag, Köln, 1970; 331 S., 22,80 DM.

In Wirklichkeit war die Aktivität der "konkret"-Gruppe damals nicht, wie Röhl es heute hinstellt, der Anfang von Entspannung, Völkerverständigung und Annäherung zwischen beiden deutschen Teilstaaten, sondern zunächst die bewußt in Kauf genommene Schwächung unabhängiger, nicht antikommunistischer, aber eben nichtkommunistischer studentischer Opposition, was ich 1959 (im "Informationsdienst des Clubs republikanischer Publizisten") als Absicht der "konkret"-Gruppe beschrieben habe: "Beteiligung überall dort innerhalb der westdeutschen Studentenschaft, wo zu Recht oder Unrecht politische Unzufriedenheit entstanden ist. Zweimal ist dies der ‚konkret‘-Gruppe in nennenswertem Umfang gelungen: Auf dem Berliner ‚Studentenkongreß gegen Atomrüstung‘ im Januar, und auf dem Frankfurter ‚Kongreß für Demokratie‘ im Mai. Beide Male sind die demokratischen Mehrheiten schwer geschädigt worden, einmal in den Anti-Atom-Ausschüssen, das andere Mal im Sozialistischen Studentenbund. Wird die nunmehr bekannte Manipulationsmethode ein drittes Mal verfangen?"

Ärgerlich und sympathisch

Sie verfing nicht, denn die von "konkret" manipulierten Gruppen zerfielen, das Vertrauen war nachhaltig zerstört. Das hatte wenig damit zu tun, daß "konkret", nun nicht mehr Fraktion und Nachrichtendienst, sondern marktgerechtes Publikationsorgan nach der "grauenhaften Röhlschen Mischung", auch nach 1964 großen publizistischen Einfluß auf ganze Studentengenerationen gewann, während der "Studentenrevolte" besonders, daß manche, die im erbarmungslosen Untergrundkampf mit dieser, wie wir damals ahnten und heute wissen, KP-Kadertruppe politische Erfahrung und Witterung sammelten, vielen Kommentaren zur Innenpolitik und Reportagen über Algerien, Vietnam zustimmten. Wen damals die brillanten Leitartikel von Ulrike Meinhof faszinierten, der neigt heute beim Lesen manchmal dazu, das Röhl-Buch im Zorn gegen die Wand zu werfen, da der Autor zwar einen klaren politischen und moralischen Trennungsstrich zu dem zieht, was Ulrike Meinhof in der "Roten Armee Fraktion" mitverantwortet, aber wegen seiner emotionalen Beteiligung, vielleicht auch wegen der gemeinsamen Kinder, eine grundsätzliche Abrechnung scheut – ein politisches Ärgernis, das zugleich Sympathie weckt.