Aus den Ölländern fließen Dollars auch an Entwicklungsländer zurück, doch die Hilfe für die Armen ist einseitig verteilt.

Die zu plötzlichem Reichtum gekommenen Ölförderländer, die in diesem Jahr voraussichtlich Exportüberschüsse von 70 Milliarden Dollar erwirtschaften, engagieren sich zunehmend auch in den Entwicklungsländern. Knapp neun Milliarden Petrodollars haben sie in diesem Jahr zurückgeschleust, fast soviel, wie die reichen Industrieländer des Westens an öffentlicher Entwicklungshilfe im Rahmen der OECD auswiesen. Doch eine Aufschlüsselung des Dollarstroms aus dem Nahen Osten an die Habenichtse der Welt zeigt, daß bei den Arabern keineswegs nur uneigennützige Motive mitspielen.

Der größte Teil der Ölgelder floß in die Nachbarstaaten der reichen ölaraber: Allein Ägypten hat in den vergangenen zwei Jahren von Saudi-Arabien, dem Iran und Kuweit 2,6 Milliarden Dollar erhalten, so weisen es Aufstellungen des Bonner Auswärtigen Amtes nach. Bei der Gesamtleistung der Ölländer sei zu berücksichtigen, so Entwicklungsminister Egon Bahr in der vergangenen Woche in New York, daß die Zuwendungen auch versteckte Beiträge zur Militärhilfe enthalten.

Einen anderen Schwerpunkt ihrer Hilfe setzen die Ölexporteure in den islamischen Ländern: Dort erhielt Pakistan in diesem Jahr Zusagen über knapp eine Milliarde Dollar.

Bei dieser Konzentration des Dollarstroms blieben für die Gruppe der ärmsten Entwicklungsländer, wozu auch die von der Dürre heimgesuchten Staaten der Sahel-Zone zählen, etwa 2.6 Milliarden Dollar übrig. Da alle Entwicklungsländer zudem in diesem Jahr Mehraufwendungen in Höhe von zehn Milliarden Dollar für die drastisch erhöhten Ofrechnungen einplanen müssen, insgesamt aber nur knapp neun Milliarden Dollar aus den Ölstaaten an sie zurückflössen, kann somit eher von einem Rabatt auf die Ölrechnung als von Entwicklungshilfe gesprochen werden. Unter Berücksichtigung des Geldwertverfalls und der Paritätsveränderungen stehen die Entwicklungsländer eher noch schlechter da als vor Jahresfrist.

Dagegen wachsen die Währungsreserven der Ölländer ständig. Allein Saudi-Arabien und der Iran halten mit 15,6 Milliarden Dollar (August 1974) soviel Reserven wie die Vereinigten Staaten. Mit dem Reichtum der Ölländer würden sich die Probleme der Dritten Welt jedoch besser lösen lassen. Egon Bahr möchte westliches know-how und das Ölgeld der Araber zum Vorteil der Ärmsten kombinieren. hff