Auch bei uns sind private Schutzleute immer mehr gefragt

Von Jürgen S. Holm

Den Chef, bitte", tönt es aus der Hörmuschel. "Wer ist da? In welcher Angel ..." – "Den Chef, bitte!" Die Stimme wird bestimmter. Die Dame in der Telephonzentrale stellt zur Vorzimmerdame durch. "Ein Mann, der seinen Namen nicht nennt, ausländischer Akzent..." Die Vorzimmerdame: "Ja, bitte?" – "Den Chef, habe ich gesagt. Und wenn er sich nicht sprechen lassen will, sagen sie ihm, die Bombe tickt schon, für ihn und seinen ganzen Laden."

Für den Chef ist die wichtigste Besprechung der Woche sofort Nebensache. Er komplimentiert seine drei Abteilungsleiter hinaus, nachdem ihm diese Botschaft ins Ohr geflüstert worden war. Er muß nachdenken. Bombendrohung. Ohne Absendet. einziger Hinweis: Ausländischer Akzent. Keine Geldforderung. Wer also konnte dahinterstecken? Die Konkurrenz? Grund hätte sie schon, die Firma zum Teufel zu wünschen. Aber auf diese Art? Politische Motive? Weil man sich offen zu einer Partei bekennt? Oder ein Irrer? Auf jeden Fall nimmt der Chef die Warnung ernst.

Dieser Fall ist keineswegs konstruiert. Daß keine Namen und Orte genannt wurden, versteht sich in einem Klima, in dem Anschläge von Terroristen jeglicher Art Schlagzeilen machen. Anrufe und anonyme Briefe mit Mord-, Kidnapping- und Sachbeschädigungsdrohungen sind nicht gerade an der Tagesordnung. Aber sie kommen ebenso häufig vor wie die noch unheimlicheren unangemeldeten Anschläge, bei denen ein scheinbar harmloser Blumenbote klingelt.

"Den mach’ ich kalt!"

Wer bedroht wird, sollte sich natürlich zuerst an die Polizei wenden. Zuständig ist die Politische Polizei – im Jargon "PoPo" genannt. In Nordrhein-Westfalen also alle 14. Kommissariate, in Bayern jeweils das Kriminalamt III, in Berlin die Polizeiabteilung I, in Hamburg die Kriminalabteilung IV. Für besonders gefährdete in- und ausländische Politiker arbeitet darüber hinaus die 300 Mann starke Sicherungsgruppe in Bonn, die dem Bundeskriminalamt unterstellt ist.