Was nun geschieht, wenn jener Chef bei der Polizei anruft, von seiner Morddrohung berichtet, Anzeige gegen Unbekannt erstattet? Zunächst einmal wird der zuständige Beamte prüfen, ob der Mann wirklich gefährdet ist, ob er nicht Opfer eines makabren Scherzes, seiner eigenen Einbildung oder auch seines übergroß entwickelten Mißtrauens ist. Das bedarf sorgfältiger Recherchen. Ehe sich die Polizei entschließt, das letzte Mittel "Polizeischutz" anzuwenden, muß sie schon auf Grund des Gesetzes der Verhältnismäßigkeit der Mittel und nicht zuletzt wegen des chronischen Personalmangels genau feststellen, ob es gerechtfertigt erscheint, Beamte zeitweilig oder auch rund um die Uhr zum Schutz eines Bedrohten abzuzweigen.

Darf, kann die Polizei eingreifen, wenn eine abgehalfterte Geliebte einmal ins Telephon gebrüllt hat: "Ich bring’ dich um!"? Wenn ein ausgebooteter Geschäftspartner gesagt haben soll: "Den mach’ ich kalt!"? Die Polizei muß Emotionen subtrahieren, ‚ehe sie unterm Strich echte Bedrohung erkennen kann. Und viel tun kann sie effektiv nicht. Eine Funkstreifenwagen-Besatzung im Hamburger Prominenten-Vorort Volksdorf zum Beispiel bekennt, daß sie während der Nachtschicht, in der diverse Polizeiaufgaben wahrgenommen werden sollen, auch noch sieben Prominentenvillen zu observieren hat, wie es im Amtsdeutsch heißt. Richter, Staatsanwälte, Politiker sollen ruhig schlafen können. Und was machen die beiden Männer im grünweißen Ford oder Passat? Sie fahren alle Stunde mal vorbei und sehen nach, ob alles in Ordnung ist. Sollte zwischendurch ein Sprengkörper in der Mülltonne deponiert sein, sollte jemand hinter Rhododendron oder Lebensbaum versteckt hocken – entdecken sie ihn?

Gesetzt den Fall, ein Mensch bekommt mangels Masse keinen Polizeischutz oder, fühlt sich, auch wenn ihm Routine-Observation zugestanden wird, einfach nicht sicher, nicht sicher genug. Er kann sich privaten Schutz kaufen.

Harry G. E. Howell, Chef eines Internationalen Detektivbüros und eines Bewachungsunternehmens in Hamburg, das sich (neben dem weiten Gebiet Wirtschaftskriminalität) auf Persönlichkeits- und Objektschutz spezialisiert hat, nimmt vorweg: "Eine hundertprozentige Sicherheit kann kein Mensch garantieren. Der totale Schutz ist unmöglich. Nehmen Sie den Mord an Kennedy. Da waren die besten Sicherheitsbeamten der Welt machtlos..."

Aber Howell ist in der Lage, Unternehmen oder Institutionen, Personen und Sachen so viel Schutz zu verkaufen, wie es irgend möglich ist. Einem Betrieb in Hamburg zum Beispiel hat er einen uniformierten Sicherheitsposten vor dem Eingang vermietet. "Das wirkt zunächst einmal abschreckend auf den Täter, der ja nicht dumm ist, sondern sein Objekt genau auskundschaftet", meint Howell. Aber sein Mann ist keine Kleiderpuppe. Er hat die Aufgabe, jeden Ankommenden auf die Personalien hin zu überprüfen, den Namen mit einer Liste der Betriebsangehörigen zu vergleichen, bei Besuchern zu checken, ob sie wirklich angemeldet sind, und bei unklaren Angaben eines Einlaßbegehrenden eine Vertrauensperson innerhalb des Büros oder Betriebes mit der Telephon-Anfrage zu kontaktieren: "Ist Herr Obermeier im Haus?"

Einen Herrn Obermeier gibt es weit und breit nicht. Innerhalb des Betriebes aber weiß man, daß ein fremdes Element in das abgesicherte Objekt einzudringen versucht. Man alarmiert in einem solchen Fall möglichst gleichzeitig den in der Nähe bereitstehenden Funkwagen des Bewachungsunternehmens und die Polizei.

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