Berlin: "Von Schinkel bis Mies van der Rohe"

Mit mehr als 300 "zeichnerischen Entwürfen europäischer Baumeister, Raum- und Formgestalter" zwischen 1789 und 1969 versucht die Kunstbibliothek Berlin die Fülle ihrer Sammlungen zu demonstrieren (circa 8500 Zeichnungen des 19. und 20. Jahrhunderts). Die Freude an den eigenen Reichtümern hat dabei offenbar alle Überlegungen zu einer thematischen Konzeption überspielt, die im Titel der Ausstellung als Möglichkeit, etwa eine historische Entwicklung vom Klassizismus zum Funktionalismus der Moderne aufzuzeigen, immerhin angedeutet ist; Aber nach einem großartigen Auftakt des europäischen Klassizismus mit Architekturentwürfen, Panoramen und Stadtansichten folgt eine ganz und gar zufällige Auswahl von Zeichnungen des 19. und 20. Jahrhunderts, die nur irgend mit dem Terminus "Raumgestaltung" zu assoziieren sind. Das reicht von Schiffsmobiliar und Kirchenfensterentwürfen des Jugendstil bis zu Albert Speers "Situationsplan der projektierten Nord-Süd-Straße in Berlin" und zu beliebigen Beispielen bundesrepublikanischer Provinzarchitektur. In einer so chaotischen Ausstellung kann man freilich Entdeckungen machen; etwa die eigenhändige Zeichnung des großen Bordeaulaiser Architekten Louis Combes, "Ansicht des Hotel Meyer", das Stadtpalais eben jenes Konsul Meyer aus Hamburg, bei dem Hölderlin 1802 als Hauslehrer in Bourdeaux wohnte. (Museum Dahlem bis zum 19. Januar 1975, Katalog 12,– DM) Katrin Sello

Hamburg: "Auktion F. Dörling – Alte und moderne Kunst, Wertvolle Bücher"

Höhepunkt der Hamburger Auktion: fünf Zeichnungen von Caspar David Friedrich. Die Blätter kommen aus einer Osloer Sammlung, sie sind der Wissenschaft seit langem bekannt und bei Sumowski und bei Rogner & Bernhard abgebildet. Vermutlich hat Friedrichs Freund Dahl sie nach Norwegen gebracht. Besonders interessant ist die aquarellierte Bleistiftzeichnung "Kahnschiffer auf der Elbe", die auffällig an das bekannte Carus-Gemälde erinnert. Laut Sumowski handelt es sich um die Studie für ein verschollenes Friedrich-Gemälde, und dieses Bild wiederum hätte Carus zu seiner "Kahnfahrt" angeregt. Die bildmäßig ausgeführte Zeichnung ist auf 40 000 Mark geschätzt, für den gleichen Preis ist eine aquarellierte "Sommerlandschaft bei Teplitz" zu haben. Die drei anderen Blätter liegen zwischen 10 000 und 20 000 Mark. Schönstes Objekt auf dem Gebiet der alten Kunst: ein "Livre d’Heures" flämischer Provenienz (25 000 Mark). Stundenbücher und Inkunabeln, die ebenfalls mit einigen hervorragenden Beispielen angeboten werden, gehören zu den Spezialgebieten des Hauses. (Buch- und Kunstantiquariat F. Dörling am 12. und 13. Dezember)

Münster: "Das malerische und romantische Westfalen"

Das Buch, das zwei deutsche Dichter, Ferdinand Freiligrath und Levin Schücking, 1841 veröffentlicht haben und das gerade wieder neu erschienen ist, bildet den Ausgangspunkt für eine Ausstellung, die am Beispiel Westfalen zentrale Themen der Epoche von Biedermeier und Vormärz in den Blick rückt. Es geht weder um nostalgische Rückbesinnung noch um die Aufwertung der eher unterschätzten westfälischen Landschaft, sondern um Strukturen des frühen 19. Jahrhunderts, Begriffe wie "das Romantische", "das Malerische", "das Vaterländische" werden unter historischem, literarischem und kunsthistorischem Aspekt freigelegt und zur Anschauung gebracht. Freiligrath entdeckte das Romantische "mit dem Wanderstab als Wünschelrute, die stille steht, wo das Gold der Poesie versteckt als Sage in den Trümmern alter Schlösser und Burgen ruht..." Andererseits sprechen für ihn die Hochöfen im Ruhrgebiet "von der Gewalt urweltlicher Titanenkämpfe". Durch entsprechende Bildbeispiele wird diese Tendenz zu poetischer Überformung von Wirklichkeit eindrucksvoll belegt. Die von Bernard Korzus konzipierte Ausstellung umfaßt rund 250 Ortsansichten und ebenso viele historische und literarische Dokumente (Westfälisches Landesmuseum bis 19. Januar 1975, Katalog 13 – DM). Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen: