Von Maria Biel

Jedes Jahr fliegen 20 000 bis 30 000 Bundesbürger in den Libanon. Dieses Jahr war ich auch dabei – leidlich gespickt mit Reiseführerinformationen: Republik am östlichen Mittelmeer; halb so groß wie Hessen; 2,5 Millionen Einwohner, die von den Phöniziern abstammen, und sich alle für "Kaufleute" halten; 300 "garantierte" Sonnentage im Jahr, 220 Kilometer Badestrände, und von Dezember bis April ist "in der Schweiz des Ostens" an 3000 Meter hohen Bergen sogar das Skilaufen möglich.

Vom Flugzeug wirkt Beirut mehr wie ein Klein-Manhattan als wie das "Tor zum Orient". Doch unten wird’s orientalischer. Es ist feuchtschwül – noch in den Abendstunden muß man mit 26 Grad Hitze kämpfen – ein paar Scheichs warten auf ihre Koffer.

Der Taxifahrer beweist gleich die Richtigkeit einer Reiseführerbehauptung: Libanesen sind vor allem Kaufleute und Händler. Für die 30-Minuten-Fahrt ins Zentrum – der offizielle Tarif ist, wie ich später erfuhr, acht Lib. Pfund – kassiert der Fahrer kaltblütig das Doppelte. Auch sonst haben die arabischen Scheichs vom Persischen Golf, die im kosmopolitischen Beirut Lebensfreude und Whisky tanken, die Preise verdorben. Der Libanon ist teuer: Ein typisches orientalisches Essen mit Fladenbrot, einem Dutzend Vorspeisen und leichtem libanesischen Weißwein schmeckt für sauerkrautgewöhnte Gaumen exzellent exotisch – aber so teuer wie daheim ist es immer.

Auch für das Auge gibt’s Besonderes zu genießen, speziell im Casino du Liban, einem luxuriösen Vergnügungszentrum 15 Kilometer nördlich der Stadt. Da wackeln die vermutlich schönsten Busen und Bäuche des Orients, rasen Motorräder in leuchtenden Kugeln, fällt künstlicher Regen zwischen die Tische, stampfen Elefanten und reiten Kosaken. Die augenblickliche Show heißt "Flash" und kostet rund 40 Lib. Pfund pro Augenpaar. Zwei Drinks sind im Preis inbegriffen. Nebenan im Spielkasino kriegen Touristen Komplexe, wenn sie die Scheichs hinter ihren Chipshaufen sitzen sehen. Mein erster Gedanke: "Sieh da, die Petro-Dollars."

Den echten Orient kann man in den Beiruter Souks finden. Hier bieten die Händler viele duftende Gewürze, Hammelfleisch und Eingeweide – eine Delikatesse –, Fische aller Art, riesige Weintrauben und hierzulande teure Obstsorten wie Mangofrüchte und Granatäpfel, Kakifrüchte und Auberginen an. Eine Straße weiter glitzert Gold- und Silberschmuck; Lederwaren kann man preisgünstig erstehen. Hier ist es farbenfroh, laut, geschäftig, und manchmal riecht’s ganz penetrant nach Innereien.

Die großen Touristikattraktionen des Libanon sind die alten Ruinenstätten, jede zu erreichen in einer Tagesreise. Die Taxifahrer schaffen es immer wieder mit Leichtigkeit, sich durch das Verkehrsgewühl zu drängeln. Nach eineinhalb Stunden Fahrt ist Baalbek erreicht, die großartige Tempelstätte.