Wenn es zutrifft, was eine Gruppe von Wissenschaftlern des Krebsinstituts in Washington als höchstwahrscheinlich ansehen, dann hat vor fünf- bis zehnmillionen Jahren ein Virus genetisches Material von einem gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affe auf einen Vorfahren der Hauskatze übertragen. Seitdem bilden diese Hominiden-Gene einen Bestandteil der Katzenzellen.

Die von Dr. George Todaro geleitete Forschergruppe stieß bei der Fahndung nach Krebsviren zufällig auf Gene in einer Katzenzelle, deren Struktur bis auf geringfügige Variationen mit Genen in Menschen- und Affenzellen übereinstimmen. Die minimalen Abweichungen können nach Ansicht der Wissenschaftler das Ergebnis von Mutationen sein, und für das Eintreten solcher spontanen Erbänderungen müßte ein Zeitraum von fünf- bis zehnmillionen Jahren zur Verfügung gestanden haben.

Solche Genübertragung ist bei Bakterien keine Seltenheit, bei höheren Lebewesen jedoch bisher noch nicht festgestellt worden. Daß ein Virus dabei Hilfestellung gegeben hat, ist die einzig denkbare Möglichkeit. Viren usurpieren die genetische Befehlszentrale in der Zelle und zwingen sie, die Produktion neuer Viren zu veranlassen. Dabei können diese auch mit Genen aus der "Gastzelle" ausgestattet werden. Und wenn ein solches Virus eine andere Spezies infiziert, gelangen jene Gene in deren Zellen. Möglich ist es auch, daß solche Fremdgene dann in das Erbgut aufgenommen und fortan späteren Generationen weitergegeben werden. -ow