• Sie werfen der Bundesregierung immer wieder vor, sie bevorzuge mit ihrer Wirtschaftspolitik die großen und benachteilige die kleineren Unternehmen. Läßt sich das auch von dem neuen Konjunkturprogramm sagen, wie es sich bereits zum Wochenbeginn abgezeichnet hat?

Zeitel: Es scheint in der Tat, daß die Wirkung des Programms in erster Linie größeren Unternehmen zugute kommen wird, deren Geschäftslage zum überwiegenden Teil ohnehin günstiger ist als die kleinerer und mittlerer Unternehmen. Es dürfte also gerade in denjenigen! Teil der Wirtschaft nicht den gewünschten Effekt bringen, der in besonderem Maße staatlicher Ausgleichsmaßnahmen bedarf.

  • Aber auch Ihre Partei war doch der Auffassung, daß zur Belebung der Konjunktur etwas geschehen mußte – ungeachtet aller strukturpolitischen Mängel, die in letzter Zeit besonders deutlich geworden sind?

Zeitel: Ja, aber allein mit Milliardenprogrammen kann man die gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht beheben. Es gibt keine gute Konjunkturpolitik ohne eine damit abgestimmte Ordnungs- und Strukturpolitik. Notwendig ist eine ordnungs- und strukturpolitische Klimaveränderung, von der ich bis jetzt aber nichts bemerke. Der Bundeskanzler hat die "Angstlücke" bisher nicht geschlossen.

  • Was schlagen Sie vor?

Zeitel: Im ordnungspolitischen Bereich müssen die Unsicherheiten, die im Bereich der Eigentums-, der Vermögensbildungs-, der Steuer- und der Berufsausbildungspolitik entstanden sind, beseitigt werden. Dazu bedarf es einiger Klarstellungen und Absagen an bestimmte Formen der Mitbestimmung und der Vermögensbeteiligung.

Strukturpolitisch muß erreicht werden, daß der Mittelstand nicht mehr wie bisher einseitig die Lasten der Stabilitätspolitik tragen muß. Das bedeutet: Abbau der einseitigen Benachteiligungen, die von der Währungspolitik bis zur Sozialpolitik reichen, und Gleichstellung in den Wettbewerbsbedingungen, die die mittelständische Wirtschaft gegenwärtig nicht hat.