Rentner aus der Bundesrepublik und Westberlin sind bei Reisen in die DDR und nach Ostberlin vom 20. Dezember an wieder vom Zwangsumtausch befreit. In diesem Punkt annullierte die DDR am Montag die Bestimmung vom 15. November 1973. Schon vor vier Wochen hatte sie die damals verfügte Verdoppelung der Umtauschsätze reduziert, wenn auch nicht auf den alten Stand. Darüber hinaus will die Ostberliner Regierung weitere Erleichterungen im innerdeutschen Verkehr schaffen. Die wichtigsten Angebote und Zusagen:

  • Vom 20. Dezember an können Bundesbürger und Westberliner mit dem Auto auch ohne besondere Voraussetzungen (Kinder unter drei Jahren oder Attest) einreisen.
  • Auch Westberliner erhalten Aufenthaltsgenehmigungen für die gesamte DDR und nicht nur für einen Bezirk.
  • Die DDR ist zu Verhandlungen bereit, um im Transitverkehr die Fahrzeiten der Züge zu verkürzen, die Straßenverbindungen durch Reparatur, Ausbau und Neubau von Autobahnen zu verbessern und den Schiffsverkehr durch die Öffnung des Teltowkanals zu erleichtern.
  • Die DDR ist bereit, die langfristige wirtschaftliche Zusammenarbeit auf eine neue Grundlage zu stellen. Als Beispiel wurden Vereinbarungen über Kooperationsprojekte mit Krupp und Hoechst genannt.
  • Die DDR will zur Stromversorgung Westberlins mit einer Energiemenge bis zu 300 Megawatt beitragen.
  • Im Rahmen des innerdeutschen Handels will die DDR aus Westberlin Eisenbahnwaggons, Textilien, Maschinen, Ausrüstungen sowie Anlagen für einen Schlachthof beziehen.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Schütz, nannte die DDR-Mitteilungen das "bisher Positivste", was er von dieser Seite in seiner Amtszeit erhalten habe. Die Bundesregierung zeigte sich befriedigt, daß die DDR "zur Geschäftsgrundlage des Grundvertrages" zurückgekehrt ist. Doch stellte Regierungssprecher Grünewald zugleich den Eindruck richtig, die Bundesregierung habe mit der Verlängerung und Erhöhung des zinslosen Überziehungskredites (Swing) eine Vorleistung erbracht.

Dieser Eindruck war entstanden, als die DDR die Paraphierung der Swing-Übereinkunft am Samstag im SED-Organ Neues Deutschland veröffentlichte. Die DDR, so erklärte Grünewald, habe bereits Ende November ihre Bereitschaft betont, die Rentner vom Zwangsumtausch wieder zu befreien.