Die Hoffnungen auf einen intensiveren Dialog zwischen Weiß und Schwarz im südlichen Afrika haben einen Rückschlag erlitten. Die Fronten in Rhodesien bleiben vorerst starr. Das wichtige Scharnier in dieser gemischtrassigen Staatenlandschaft bewegt sich noch nicht. Das liegt vor allem an Maximalforderungen von schwarzafrikanischer Seite.

Aufsehenerregend ist aber, daß überhaupt verhandelt worden ist. Nach monatelangen Vorbereitungen hinter den Kulissen hatten sich die Präsidenten der schwarzen Republiken Sambia, Tansania und Botswana in der vergangenen Woche mit Regierungsvertretern von Rhodesien und Südafrika in der sambischen Hauptstadt Lusaka getroffen. Auch die drei rhodesischen Befreiungsorganisationen ZANU, ZAPU und FLZ waren vertreten. Premierminister Smith hatte mehreren ihrer inhaftierten Repräsentanten für diese Konferenz "Urlaub auf Ehrenwort" gegeben.

Bemerkenswertestes Ergebnis der Tagung: Die rivalisierenden Gruppen vereinigten sich unter dem gemeinsamen Dach des African National Council (ANC), einer auch in Rhodesien legalen Organisation. Damit sieht Smith sich jetzt erstmals einer geschlossenen Front der schwarzen Mehrheit im Lande (5,5 Millionen gegenüber 270 000 Weißen) gegenüber, während er bisher die zerstrittenen Gruppen gegeneinander ausspielen konnte.

Entscheidend für das Scheitern der Gespräche in Lusaka war, daß die Vertreter der politisch überhaupt nicht repräsentierten farbigen Majorität Rhodesiens im Gefühl ihrer neuen Eintracht auftrumpften und die "sofortige Mehrheitsregierung" verlangten. "Diese Vorschläge sind für die rhodesische Regierung nicht annehmbar", antwortete das amtliche Salisbury.

Smith seinerseits hatte durch seine Delegierten auf der Konferenz als Vorbedingung für eine gemischtrassige Verfassungskonferenz die Beendigung des neunjährigen Guerillakrieges fordern lassen. Dies wiederum wurde von den schwarzen Führern abgelehnt.

Für den Abbruch der Gespräche in Lusaka machte Smith vor allem den tansanischen Präsidenten Nyerere verantwortlich. Er habe unglücklicherweise in der kritischen Phase den Vorsitz geführt. Die Regierung in Salisbury mutmaßt, daß Nyerere aus wirtschaftlichen Gründen nicht an einer Befriedung Rhodesiens interessiert sei.

Über Tansania nämlich gelangt das sambische Kupfer zum Meer. Die Transporte in Höhe von rund 27 000 Tonnen pro Monat hatten bis zum Januar 1973 noch den Weg über Rhodesien und Mocambique genommen. Dann sperrte Smith wegen der Guerillaüberfälle die Grenze nach Sambia, nahm allerdings die Kupfertransporte aus. Präsident Kaunda jedoch reagierte prompt mit deren Umleitung nach Nordosten. Inzwischen sind die Frachtgebühren auf der von Chinesen gebauten Tansam-Bahn ein wichtiger Posten im tansanischen Etat.