1. Die im Aufsichtsrat angesiedelte paritätische Mitbestimmung wirkt sich bei den einzelnen Gesellschaftsformen sehr unterschiedlich aus, weil die gesetzliche Zuständigkeit des Aufsichtsrats im Verhältnis zur Gesellschafterversammlung und zum Geschäftsführungsorgan stark variiert.

2. Die Wirksamkeit der paritätischen Mitbestimmung im Aufsichtsrat hängt weiter von der Zahl der Gesellschafter ab. Bei Publikumsgesellschaften mit weitverstreutem Anteilsbesitz ist nicht zu erwarten, daß die Anteilseigner den der Gesellschafterversammlung vorbehaltenen Letztentscheid dazu nützen werden, eigene unternehmerische Initiativen zu entfalten und den Aufsichtsrat damit zu überspielen. Ein oder wenige unternehmerisch tätige Gesellschafter, welche die Stimmenmehrheit besitzen, sind dazu aber durchaus in der Lage.

3. Das Nebeneinander von paritätischer Mitbestimmung im Aufsichtsrat und unternehmensbezogenen Mitbestimmungsrechten nach dem Betriebsverfassungsgesetz führt zu einer Unausgewogenheit von Betriebs- und Unternehmensverfassung, welche ein Mitbestimmungsgesetz vermeiden sollte. Ob ein Fall verfassungswidriger Überparität vorliegt, wie vielfach behauptet wird, ist zweifelhaft, da sich Zustimmungsbefugnisse von zwei dasselbe Interesse repräsentierenden Gremien nicht einfach addieren lassen.

4. Eine Überparität zugunsten der Arbeitnehmer kann entstehen, wenn die Arbeitnehmerseite in die Lage versetzt wird, mit Hilfe von Gesellschaftsanteilen oder des Depotstimmrechts ihre Interessen auch auf Seiten der Anteilseigner zu verfolgen.

5. Eine Überparität zugunsten der Arbeitnehmer kann ferner durch die Kumulation von paritätischer Mitbestimmung und kollektivem Arbeitsrecht entstehen.

6. Die paritätische Mitbestimmung setzt an die Stelle der überkommenen kapitalistischen Unternehmensordnung eine neue Ordnung. Diese ist nicht sozialistisch, sondern verbindet kapitalistische und sozialistische Elemente zu einer neuen, eigenständigen Synthese. Insofern verwirklicht sie auch eine neue Gerechtigkeitsidee für die rechtliche Ordnung des Unternehmens.

7. Die paritätische Mitbestimmung gefährdet als solche den Fortbestand der Marktwirtschaft nicht. Eine Vorhersage, daß sie zu einer Verminderung der wirtschaftlichen Produktivität der Unternehmen führen werde, ist wissenschaftlich nicht ausreichend begründet.