Von Christa Rotzoll

Seinen Tieren hat er manches Buch gewidmet. Aber den "Umgang mit Zweibeinern", der ihn oft "aufregend Und niederdrückend" anmutet, den schildert der Fernsehprofessor, der Naturverteidiger und ehemalige Zoodirektor jetzt zum erstenmal –

Bernhard Grzimek: "Auf den Mensch gekommen – Erfahrungen mit Leuten"; C. Bertelsmann Verlag, München/Gütersloh/Wien, 1974; 472 S., 34,– DM.

Der Mensch, auf den Grzimek am liebsten kommt, ist Grzimek. Mit acht hat er sich schon das erste eigene Schwein ertrotzt. Als "Pennäler" – er sagt auch noch "wir Studiker" – hat er an der Fachzeitschrift "Geflügel-Börse" mitgearbeitet und einen Verband von Hühnerzüchtern ins Leben gerufen. Der eben fertige Tierarzt, der für sein Berliner Ministerium den Eierhandel innerhalb des Vaterlandes überwachte, konnte bereits eine Reihe eigener Werke mit recht imposanten Druckauflagen vorweisen: "Das Eierbuch" und "Das kleine Geflügelbuch", das "Handbuch für Geflügelkrankheiten" und die Anweisung "Geflügel richtig füttern".

Der Grzimek, den wir alle kennen, der umschwärmte und umstrittene, hält sich auch als Memoirenautor an die eigenen Kernsprüche. "Ich pflegte Menschenärzten gern scherzend zu sagen, daß sie gewissermaßen spezialisierte Tierärzte sind." – "Ich pflegte immer zu sagen, daß in einem Zoologischen Garten die zwei am zahlreichsten vertretenen Säugetierarten die Ratten und die Menschen sind." – "Ich habe auch später Bundes- und Staatsministern gegenüber oft betont, daß ich selbst Beamter bin und daß man auch mit den geltenden Gesetzen schon viel auf bestimmten Gebieten erreichen könne – wenn man sich nur bei den untergebenen Beamten durchzusetzen vermag."

Er tritt wie ein verehrter Lehrer auf. Die Kenntnisse, die Weisheiten und auch die Witze, die er austeilt, soll man sich hinter die Ohren schreiben. Die Pädagogengeste steht ihm aber, und sie steht ihm wohl auch zu. Sein Ruhm wurzelt ja in der Fähigkeit, eigene Erfahrungen, die sich mit Wissenschaft vermischen, einer riesigen Schülerschar bekannt zu machen. Es wird – privat wie öffentlich – oft darüber nachgesonnen, wer eine "Fernsehpersönlichkeit" sei und warum. Der geborene Lehrer wird, glaube ich, am ehesten eine sein, eher als der Kampfhahn oder das lustige Huhn.

Beim Lesen geht es wie beim Zuschauer: Man nimmt von Grzimek eine Menge mit, nicht nur als Tierfreund. "Das hat ja das Wiederaufleben der deutschen Schiffahrt so begünstigt: Die Engländer benutzten die beschlagnahmten, veralteten deutschen Schiffahrt und wir waren deshalb gezwungen, modernere, schnellere, neue zu bauen." Eine Genugtuung, auch wenn das alles nun schon vierzig Jahre her ist. Ein Ärgernis, das nie beseitigt worden ist, "... daß die ersten christlichen Missionare den alten Germanen ihr heiliges Tier, das Pferd, verekelt und als heidnisch erklärt haben. In Frankreich verspeist man noch heute Pferde ohne irgendwelche Bedenken Bei uns leider nicht.

Mit den Menschen, die der Buchtitel verspricht, ist allerdings nur wenig los, von einigen nahen und auch nicht so nahen Blutsverwandten des Verfassers abgesehen. Angehörige von Königshäusern können immerhin dank ihrer Glorie beim Naturschutz gute Dienste tun. Seinen faden Unterlingen und den niederträchtigen Neidern entwischt der Chronist Grzimek immer wieder mal zu einer doch weit interessanteren Elefantenkuh, zum Flußpferdbullen Toni oder zum Schimpansen Bambu.