Walter Jens: "Die Verschwörung – Der tödliche Schlag" – Zwei Fernsehspiele. Mit Hilfe eines mythischen und eines historischen Beispiels wird in den beiden Fernsehspielen das Verhältnis von Macht und Geist analysiert. Der Intellektuelle Julius Caesar plant, da er physisch und psychisch am Ende ist, einen großen Theatercoup, der ihm Unsterblichkeit garantiert: Die Revolution der Republikaner – von Caesar inszeniert; Brutus – eine Marionette in der Hand des Diktators. Der Intellektuelle Philoktet – ein antiker Oppenheimer oder Einstein, der weiß, daß Troja nur durch den totalen Krieg besiegbar ist – wird durch Odysseus, den Anwalt der Macht, dazu gebracht, ausgerechnet jenen "tödlichen Schlag" zu befördern, den er um jeden Preis verhindern möchte. Caesar, der Manipulator; Philoktet, der Manipulierte. Caesar, der Amoralist, Philoktet, der Advokat der Moral, der sein Wissen den Falschen ausliefert und das Volk an die Militärs und Magnaten verrät. Die Beziehungen zwischen beiden Stücken liegen auf der Hand. Die Amoralität des "Intellektuellen auf der verkehrten Seite" wird nicht ohne Grund vom gleichen Schauspieler, Hannes Messemer, interpretiert. "Die Verschwörung" wurde 1969 von der ARD ausgestrahlt. "Der tödliche Schlag" – mit Siegfried Wischnewski als Philoktet – wird am 25. März 1975 im Ersten Programm gesendet. Die Regie beider Spiele, deren Text (ergänzt durch knappe Nachworte) der Band enthält, hat Franz Josef Wild. (SP 111, Piper Verlag, München, 1974; 144 S., 12,– DM.)

M. Y. Cho: "Wirtschaft und Politik in der DVRK – Nordkorea 1974." Der Aufbau des Sozialismus in der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) gilt als ein Modell für die Dritte Welt, ist dennoch im Westen zuwenig bekannt. Was weiß man beispielsweise von der hohen wirtschaftlichen Entwicklung und der jüngsten Abschaffung aller Steuern in der DVRK? Darüber berichtet der Autor an Hand nordkoreanischer Quellen. Er untersucht auch den Stand der politischen Hierarchie und Charakteristika der neuen "Sozialistischen Verfassung". Der größte Raum ist der Wiedervereinigungs- und auswärtigen Politik gewidmet. Der Autor kommt zu dem Schluß, daß sich eine Entideologisierung der nordkoreanischen Außenpolitik abzeichnet. Im Anhang ist die neue Verfassung im koreanischen Originaltext und in amtlicher englischer Übersetzung wiedergegeben. (Nr. 59 der Mitteilungen des Instituts für Asienkunde, Hamburg, 1974; 106 S., 3,–DM.)