Was in diesem Land vorgeht, ist ja Wahnsinn. Wenn das so weitergeht, wird die Baader-Meinhof-Gruppe in einem halben Jahr ihr Ziel erreicht haben, nicht durch uns, die wir möglicherweise die kriminelle Sünde der Differenzierung begehen, sondern durch die Scharfmacher auf der Rechten, denen an der Konfrontation so viel liegt wie der Baader-Meinhof-Gruppe.

Heinrich Böll bei der Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille am 8. Dezember im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin

Dalis Weltrangliste

Salvador Dali ist doch nicht der Allergrößte. In seinem Buch "Die 40 magischen Geheimnisse", an dem er seit 1947 schreibt (auf englisch) und das demnächst erscheint (auf französisch), bietet der exzentrischste der zeitgenössischen Artisten außer mannigfachen Ratschlägen für werdende Künstler und Maßanweisungen für die Sortierer der Kunst eine klassifizierende Tabelle mit Rangzuweisungen für alte und neue Künstler. Dabei verteilt Dali Noten zwischen 0 und 20 für Technik, Inspiration, Farbe, Dessin, Genie, Komposition, Originalität, Geheimnishaftigkeit und Authentizität. Eindeutiger Spitzenreiter in dieser Liste ist Vermeer (überall 20, nur in Sachen Originalität muß er sich mit 19 bescheiden), völlig abgeschlagen endet Mondrian auf dem 11. Platz (3,5 für Authentizität ist die höchste Bewertung, für Komposition erhält er 1, für Originalität 0,5, sonst überall 0). Dali selber nimmt nach Raffael und Velazquez und dicht hinter Leonardo den 4. Rang ein, wohingegen Picasso mit einem deutlichen Punktabstand auf dem 5. Platz verwiesen wird. Übrigens ist Dali der einzige Lebende in dieser Liste: De gustibus nil nisi bene.

Mai-Direktor von Karajan

Daß ein designierter Kanzler freudestrahlend mitteilt, er habe einen alten Genossen so lange beschwatzt, daß der nunmehr bereit sei, das Innenministerium jedes Jahr für einen Monat "politisch und administrativ" zu übernehmen, ist eine so kuriose Überlegung, daß man sich scheut, sie überhaupt zu notieren. Allein, dergleichen geschieht, wenn auch auf einem anderen Herrschaftsgebiet: in der Kunst, genauer in der Wiener Staatsoper. Der für dieses dem Lande teure Institut zuständige Bundesminister teilte der Öffentlichkeit jedenfalls sehr zufrieden mit, daß der nunmehr zehn Jahre währende Krach zwischen seinem Ministerium sowie dem Dirigenten und Musikunternehmer Herbert von Karajan zu Ende und der Meister dafür gewonnen worden sei, von 1977 an jährlich im Mai die Wiener Staatsoper "künstlerisch und organisatorisch" zu übernehmen. Anlaß für diesen Handel waren schlicht wirtschaftliche Nöte mit dem Musiktheater: Sie sollen nunmehr gemildert werden durch die Kooperation der Wiener Staatsoper mit den Salzburger Festspielen und den Karajanschen Osterfestspielen daselbst.

Solschenizyns Theaterstück