Sowohl mit dirigistischen Maßnahmen als auch bloßen Absichtserklärungen wollen die westlichen Industrieländer ihre Abhängigkeit von Ölimporten vermindern.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres müssen sich die Bonner Parlamentarier mit der Sicherung der Energieversorgung für die Bundesrepublik und dem Zwang zu sparsamer Verwendung des teuren Erdöls beschäftigen.

Noch vor der Energiedebatte im Januar hat Wirtschaftsminister Hans Friderichs erklärt, nur bei ernsthaften Versorgungsstörungen kämen zwangsweise verordnete Energiesparmaßnahmen in Frage. Er beschränkte sich auf Appelle zur freiwilligen Einschränkung des Ölverbrauchs.

Mit dem gleichen Rezept will auch US-Präsident Gerald Ford seine Landsleute anhalten, eine Million Barrel Rohöl (ein Barrel = 159 Liter) ihres täglichen Gesamtverbrauchs von 16 Millionen Barrel einsparen.

Doch so unsicher wie der Erfolg seiner Appelle, so uneinig sind die Experten der US-Regierung über die künftige Sparstrategie. Die am Programm einer autarken Energieversorgung arbeitenden Wissenschaftler des "Project Independence" schlugen in einer 780-Seiten-Studie vor, die Benzinsteuern zu erhöhen, für wärmeisolierende Hausumbauten Steuererleichterungen zu gewähren, die Ölsuche vor den heimischen Küsten und den Bau von Atom- und Kohlekraftwerken zu forcieren. Doch Präsident Ford, auch im Kampf gegen den "Staatsfeind Nr. 1", die Inflation engagiert, sträubt sich gegen Steuererhöhungen: "Ich weiß nicht, wie oft ich noch sagen muß, daß zusätzliche Benzinsteuern nicht in Frage kommen."

Das Ziel, von Mineralölimporten weitgehend unabhängig zu werden, könnte nach Ansicht von Präsident Ford dadurch erreicht werden, daß keine Elektrizitätswerke auf Ölbasis mehr gebaut werden. In zehn Jahren, so meinen die Energiepolitiker, wird dieses Ziel erreicht sein.

Arthur Burns, Chef der amerikanischen Notenbank, befürwortet – um das OPEC-Kartell zu brechen – drastische Maßnahnahmen zur Verringerung der Ölimporte: erhebliche Steuern auf Benzin, auf importiertes Öl und auf Automobile.