Wer als Einzelreisender, wer nicht von einem Reiseunternehmen behütet, auf die Malediven fahren will, der tut gut daran, sich mit einer gehörigen Portion Beharrlichkeit und mit einem dicken Fell auszustatten. Denn leicht wird es einem nicht gemacht, lautet doch die Order des Mr. Maniku, der auf den Malediven das Sagen hat, Touristen gehören auf die Touristeninseln, dorthin, wo sie unter Kontrolle ihre Dollars auszugeben haben.

Und auf den Malediven funktioniert die Bürokratie, stets zu Diensten der Obrigkeit. Aufmucken gibt es nicht, und wenn, dann kommt das teuer zu stehen. Darum oberste Regel: Niemals über die inneren Angelegenheiten der Republik sprechen – die Sezessionsbestrebungen der Südinseln, die Aufstände dort, sind tabu – und schon gar nicht über "Mr. M." reden, was unschwer als das allgemein übliche Kürzel für Ali Maniku zu erkennen ist.

Ohnehin wird man keinen einheimischen Gesprächspartner finden, der bereit ist, das Wort Politik in den Mund zu nehmen. Angst gibt es also auch auf den paradiesischsten Inseln. Doch es lohnt sich, sich durchzubeißen.

Das bedeutet zunächst einmal, von der Flughafeninsel Hulule herunterkommen und nach Male übersetzen. Zwar wird es heißen, es gebe in Male kein Hotel, das einzige, das Silver Sands, sei voll. Aber es gibt Privatunterkünfte, Man erkundigt sich danach am besten beim Krämer, direkt neben der Crescent Tours Agency am Hafen. Dort setzt einen das einheimische Boot, das zwischen Hulule und Male pendelt (Fahrpreis eine maledivische Rupie), ohnehin ab.

Dieser Krämerladen ist überhaupt eine der wichtigsten Stellen auf der Insel, denn die in den Prospekten aufgeführte internationale Bank ist nichts anderes als eben dieser Krämer. Für einen Dollar bekommt man etwa 5,50 maledivische Rupien (die Kurse schwanken), mit denen man überall bezahlen kann, nur nicht im Silver Sands und auf den Touristeninseln.

Hier, am Nebenhafen, mietet man sich auch eines jener drei bis vier Meter langen Segelboote, die einen zu einer der 2000 Inseln bringen, oder genauer, zu einer Insel in der Nähe von Male. Denn wenn man auf ein vom Tourismus noch unberührtes Nord- oder Südatoll will, dann verhandelt man besser mit dem Besitzer eines großen Lastenseglers am Haupthafen. Die Fahrt mit diesen dschunkenähnlichen Booten, auf dem die ganze Familie unter einem Bastmattenverschlag haust, dauert je nach Entfernung und Windverhältnissen einen bis sieben Tage. Kostenpunkt: 20 bis 50 Rupien pro Reise, ein Segelboot 50 Rupien pro Tag.

Das maledivische Wort für Boot ist dort, und da wir gerade bei den Vokabeln sind – für Einzelreisende wichtig: mádama = morgen, miérdu = heute (wobei auf den Malediven "heute", bis morgen früh reicht, also Vorsicht bei Verabredungen!), mas = Fisch, bis – Ei (auf alle Nahrungsmittel kann man beim Krämer zeigen, Eier aber gibt es auf den Inseln nur direkt bei den Leuten), und wäre = Regenwasser.