Europäisches Tempolimit

Der Aufschrei blieb aus. Ohne Reaktion nahm die deutsche Öffentlichkeit in der vergangenen Woche zur Kenntnis, daß die Verkehrsminister der in der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zusammengeschlossenen Staaten sich darauf geeinigt haben, in absehbarer Zeit einheitliche Ge- – schwindigkeitsbeschränkungen auf den europäischen Autobahnen einzuführen. 18 der 20 Mitgliedsländer (Island und Finnland beteiligen sich nicht) wollen Autobahn-Tempolimits von 110 bis 130 Stundenkilometern. Bundesverkehrsminister Gscheidle machte seine Kollegen freilich darauf aufmerksam, daß der Tempogroßversuch mit Höchst- und Richtgeschwindigkeiten auf deutschen Autobahnen noch bis zum 30. September 1977 läuft. Bis dahin haben Deutschlands Autobahnfahrer also auf jeden Fall noch Galgenfrist.

Drei Jahre international

Die Gültigkeitsdauer des Internationalen Führerscheins, den Bundesbürger bei Autoreisen nach Polen, Ungarn und Spanien immer noch benötigen, soll 1975 auf drei Jahre verlängert werden. Nach Angaben des Deutschen Touring Automobilclubs (DTC) will das Bundesverkehrsministerium im Laufe des kommenden Jahres das Internationale Straßenverkehrsabkommen ratifizieren, das bereits 1968 in Wien ausgearbeitet worden ist und indem eine längere Geltungsdauer des Internationalen Führerscheins festgelegt wurde. Ursprünglich habe das Abkommen von Bonn aus bereits 1974 unterzeichnet werden sollen, doch sei man aus "terminlichen Gründen" dazu noch nicht in der Lage gewesen. Ein genauer Zeitpunkt für die Ratifizierung steht nach Angaben des DTC allerdings noch nicht fest. Bis dahin, müssen die Bundesbürger für jede Neuausstellung des zur Zeit zwölf Monate geltenden Internationalen Führerscheins sechs Mark bezahlen. Es steht zu hoffen, daß die Verlängerung der Gültigkeit bald auch von außereuropäischen Ländern akzeptiert wird.

BMW 2002 Turbo: Ausgeblasen

Just, da in der ZEIT (50/74) über Motoren mit Abgas-Turboladern und die mit ihnen ausgerüsteten Fahrzeuge BMW 2002 und Porsche 911 Turbo berichtet wurde, hat der Münchner Blasebalg sein Ziel erreicht: Genau 1500 Wagen wurden gebaut. Und, wie die Bayerischen Motoren-Werke betonen, auch verkauft. Damit soll es nun aber auch genug sein.

Robert A. Lutz, heute Vorstandsvorsitzer bei Ford, hatte sich in München seinerzeit für den Turbo stark gemacht. Und mit seiner Voraussage, daß sich ein solches Gefährt verkaufen ließe, recht behalten: Im Frühjahr dieses Jahr es, mitten in der Energiekrise, mußte die ursprünglich auf 1000 Exemplare angesetzte Serie auf 1500 erweitert werden.

Von den Käufern setzen 90 Prozent ihren Wagen bei Sportrennen ein – für die normale Straße ist der Exote im Münchner Angebot fast zu schade. Indes: BMW versichert, daß der Turbo nicht nur in den Verkaufszahlen sein Soll erfüllte, auch in der Lebensdauer: Das Turbo-Triebwerk brachte keine spezifischen Defekte. Die Münchner haben mit diesem Aggregat in der Hand interessierter Kunden wertvolle Erfahrung gen gewinnen können. Sie werden gewiß nicht im Schreibtisch schlummern: Es ist ein offenes Geheimnis, daß zur IAA 1975 der Nachfolger der BMW-Zweitürer erscheint. Man könnte sich hier eine "heiße" Version mit dem aufgeblasenen Motor durchaus vorstellen, die sich vielleicht in Fahrwerk und Aufmachung nicht so sportlich gibt und damit auch zu wohlfeileren Preisen zu haben ist. Für den Normalfahrer war der 2002 Turbo vor allem wegen seines Preises von fast 21 000 Mark uninteressant.