In Südvietnam wird erbittert um die Reisernte gekämpft, die sich beide Seiten – Regierungstruppen und Vietcong – nach dem Ende des Monsunregens sichern wollen. Bei ihrer Offensive melden die Kommunisten fast täglich Erfolge.

In den letzten Tagen eroberten sie nach Belagerung die Bezirkshauptstadt Duc Phong, nahe der kambodschanischen Grenze, und einen Stützpunkt in derselben Gegend. Damit können die Kommunisten die strategisch wichtige Landstraße zwischen Saigon und dem Zentralen Hochland kontrollieren. Auch im Mekongdelta toben Kämpfe.

Das Oberkommando in Saigon beziffert die Verluste der Regierungsseite seit dem 6. Oktober, dem Beginn der "Reis-Offensive", auf 3000 Mann; die der Gegenseite sollen ebenso hoch sein.

Wie wenig in Südvietnam bisher vom "Waffenstillstand" zu spüren ist, der vor fast zwei Jahren geschlossen wurde, zeigen Gesamtzahlen, die Saigon veröffentlicht hat. Danach verlor Südvietnam seit Ende Januar 1973 über 26 000 Gefallene, 107 000 Verwundete und 14 000 Vermißte. Die Kommunisten hätten 100 000 Mann verloren. Die zivilen Opfer sind in dieser militäramtlichen Bilanz nicht mitgezählt.