In dieser Woche werden die Karten für ein Spiel gemischt, dessen Ausgang die weitere wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik vermutlich mehr beeinflussen wird als das neue Bonner Programm zur Belebung der Konjunktur. Am Spieltisch sitzen (am Donnerstag in Niedersachsen und am Freitag in Nordrhein-Westfalen) Arbeitgeber und Gewerkschafter der Metallindustrie, die Tarifpartner der zur Zeit bedeutendsten Krisen-Branche.

Vieles deutet darauf hin, daß es ein böses Spiel wird. Die Hoffnungen, die manch einer darauf gesetzt hat, daß die Gewerkschaften die unterschiedliche Ertragskraft der einzelnen Branchen bei ihren Forderungen berücksichtigen, könnten schon in diesen Tagen zerstört werden. Sorgen bereitet nicht nur die Höhe der Forderungen der IG Metall – elf bis zwölf Prozent für einen Sektor unserer Volkswirtschaft, in dem derzeit mehr rote als schwarze Zahlen geschrieben werden. Beunruhigend wirken zudem die Nebenwünsche, die sich so leicht nicht quantifizieren lassen; sie reichen von höheren Leistungszulagen bis zur Verdienstsicherung für ältere Arbeitnehmer.

Dieser Wirrwarr von Zusatzforderungen, die von Tarifbezirk zu Tarifbezirk abgewandelt werden, kann doch nur eines bezwecken: lange Verhandlungen und Zeitgewinn. Denn am 14. Januar werden die Tarifgespräche für den öffentlichen Dienst fortgesetzt und vielleicht sogar beendet. Soll der öffentliche Dienst, der im vergangenen Jahr die Tarifrunde begonnen und dabei verheerende Zeichen gesetzt hat, erneut zur Vorhut eines aberwitzigen Verteilungskampfes gemacht werden? Soll das Volkswagenwerk die gleichen Lasten auferlegt bekommen wie die Offenbacher Stadtreinigung, für die allemal noch der Steuerzahler geradestehen muß? Man muß es befürchten. pl