Von Gabriele Venzky

Die Welt muß sich mit einem neuen Namen vertraut machen – Zimbabwe. Es ist die afrikanische Bezeichnung für Rhodesien, jenes Land, das zusammen mit Südafrika noch die letzte weiße Bastion im schwarzen Erdteil bildete. Nun fällt der vorletzte Domino weißer Dominanz.

Die Lusaka-Konferenz der vergangenen Woche brachte die unvermeidliche und dennoch sensationelle Wende: aus Rhodesien wird Zimbabwe. Das Ende der Vorherrschaft einer Minderheit von 240 000 Weißen über eine Mehrheit von sechs Millionen Schwarzen ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit. Daß es in einem Jahr noch eine Regierung Smith geben wird, ist wenig wahrscheinlich. Der gleiche rhodesische Premierminister, der sich vor neun Jahren vom britischen Mutterland lossagte, um den allmählichen Übergang zu einer schwarzen Mehrheitsregierung zu blockieren, will nun angeblich diesem Übergang nicht mehr im Wege stehen, notfalls sogar zurücktreten. "Ich will nicht als der Premierminister in die Geschichte eingehen, der wie ein unerwünschter Gast nicht den Dreh zum Weggehen findet", sagte er am Sonntag.

Natürlich verbirgt sich hinter diesen Worten nicht die plötzliche Einsicht, daß schwarzen Afrikanern die gleichen Rechte zustehen wie weißen Afrikanern, daß schwarze Afrikaner über ihr eigenes Land und ihre eigene Zukunft bestimmen sollten. Wenn er noch irgendeinen anderen Ausweg gesehen hätte, hätte Ian Smith nicht der Einberufung einer Verfassungskonferenz für das Frühjahr zugestimmt, die einer schwarzen Mehrheitsregierung den Weg ebnen soll. Er hätte auch nicht die bisher als "Verbrecher" etikettierten schwarzen politischen Gefangenen freigelassen, um mit ihnen ohne Vorbedingungen zu verhandeln. Für Ian Smith gibt es keine Alternative mehr, seitdem die Schutzmacht Südafrika sich von ihm zurückzieht und seit der südafrikanische Premierminister Vorster unmißverständlich klargemacht hat, daß ihm der eigene Hals näher ist als der Kopf eines Ian Smith.

Für das südliche Afrika ist das entscheidende Datum der 25. Juni 1975. An diesem Tag wird die ehemalige portugiesische Kolonie Mocambique unabhängig, und die Befreiungsorganisation Frelimo übernimmt dann auch offiziell die Macht. Rhodesien, das sich schon jetzt im Zweifrontenkrieg gegen die von Sambia und Mocambique unterstützten Guerillaorganisationen der ZAPU (Zimbabwe African Peoples Union) und ZANU (Zimbabwe African National Union) nur mit südafrikanischer Hilfe behaupten konnte, würde sich spätestens dann nicht mehr halten können. Die Unabhängigkeit von Angola steht ebenfalls bevor, die Befreiung von Namibia, des von Südafrika besetztgehaltenen Südwestafrika, wird auch nicht mehr aufzuhalten sein: Die Zange Schwarzafrikas um die letzte weiße Bastion, um Südafrika, schließt sich.

Leitbild Moçambique

Der Pragmatiker Vorster weiß, daß er, ähnlich wie Israel, seit dem hastigen Abzug der Portugiesen aus Afrika mit dem Rücken zum Meer steht. Das Gleichgewicht der Kräfte hat sich drastisch verschoben – zuungunsten der Weißen.