Arnold Schernberg: "Pierrot Lunaire"

Ein bißchen spät zum Schönberg-Jubiläum (geboren am 13. 9. 1874) gibt CBS zur Zeit eine Serie von Platten frei, die schon vor zehn und mehr Jahren auf den amerikanischen Markt kamen: das Klavier- und das Violinkonzert, die "Ode an Napoleon" und das gesamte Klavierwerk, gespielt von Glenn Gould. Wichtiger aber als diese im Grunde den auch bei uns vorliegenden vergleichbaren Platten ist die Wiederveröffentlichung einer Aufnahme aus dem Jahre 1942: Schönberg selber dirigiert den "Pierrot Lunaire" mit einem auf seine Musik geschulten Ensemble – Rudolf Kolisch, Eduard Steuermann, Erika Stiedry-Wagner. Die Theatralik der von Schönberg "erfundenen" Sprechstimme, die doch etwas stärker noch zur Expressivität neigende Instrumentaldiktion, das trotzdem außerordentlich klare und präzise Klangbild: Sachlichkeit wurde damals von einer Innerlichkeit begleitet, die wir gerade wiederzuentdecken uns bemühen. Über die Authentizität hinaus macht das die Platte so besonders wertvoll. (CBS 61 442, 10,– DM) Heinz Josef Herbort

Maria Muldaur: "Waitress In A Donut Shop"

Das zweite Album der ehemaligen Jugband-Sängerin Maria Muldaur ist in der Auswahl der Songs stilistisch noch vielseitiger und in der Interpretation noch selbstsicherer als ihr Solo-Debüt. Unterstützt von der Elite der Studiomusiker aus Los Angeles und zwei erstklassigen Produzenten, meistert sie mühelos alle Stile vom Gospel-Song ("Cool River"), und sexuell expliziten Blues-Nummern ("Squeeze Me" und der Skip-James-Klassiker "If You Haven’t Any Hay") bis zu intimen Folksongs wie "Oh Papa" und dem folkloristischen "Gringo En Mexico". Obwohl Miss Muldaur fast durchweg Fremdkompositionen singt, ist sie neben Joni Mitchell als weiblicher auteur complet der Rockmusik bewundernswert. (Reprise REP 54025) Franz Schöler

Kin Ping Meh: "Virtues & Sins"

Rock ’n’ Roll made in Germany, auf eine schamlose und dabei geradezu herzerfrischende Weise epigonal in dem Sinne, in dem die frühen Stones oder Stealers Wheel Epigonen waren. Denn die drei Komponisten des Quintetts "klauen" nur bei den Besten: bei den Faces und Free, Spooky Tooth und dem John Lennon von "Jealous Guy". Wenn diese Band international überhaupt dieselben Chancen hätte wie beispielsweise Bad Company, wäre sie die neue Supergruppe der siebziger Jahre. Höhepunkt der Platte ist die beste Version von Terry Reids "Rich Kid Blues", die man seit dem Original hören konnte, und "Living Your Lies", ein von der Band selber komponierter "klassischer" Hard-Rock-Song. Leider ist der Sound technisch nicht vollkommen. Trotz avancierter Aufnahmetechnik haben deutsche Plattenstudios die Kunst der richtigen Mischung und Überspielung der Bänder auf die Platte noch nicht so recht gelernt; das macht die Platte nur zu einem Vergnügen mit Einschränkung. (Nova 6.22015)

Franz Schöler