Auf dem Markt der Ostasiatica, speziell der chinesischen Porzellane waren gleich zwei Höchstpreise zu notieren. Im April wurde bei Sotheby eine blau-weiße Flasche aus der Ming-Dynastie (1368–1644) für 2,56 Millionen Mark versteigert – für den höchsten Preis, der jemals auf einer Versteigerung für ein Kunstobjekt außerhalb des Gemälde-Bereichs gezahlt wurde. Schon zwei Monate später bot ein Japaner bei Christie 1,38 Millionen Mark für eine blau-weiße Mei P’ing-Vase aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Vase stammte aus der berühmten, nach 1945 aufgebauten China-Sammlung des New Yorkers Frederick M. Mayer. Ihre 228 Stücke, für die der ehemaliger Wiener nie mehr als 3000 Dollar ausgegeben haben soll, brachten insgesamt 16,12 Millionen Mark. Eine blau-weiße Hsüan-te-Kanne (1426–1435) zum Beispiel, die im Jahre 1953 für 90 Pfund versteigert worden war, erzielte jetzt 73 500 Pfund – ein Beweis dafür, daß exquisite, mit Sachverstand und Engagement langsam zusammengetragene Sammlungen immer noch eine der besten Kapitalanlagen darstellen.

Der Ostasiatica-Markt gehört überhaupt zu den Kunsthandelsgebieten, die am wenigsten von der nachlassenden Konjunktur betroffen wurden. Vor allem die Japaner, die sich mit der schwindenden Kaufkraft des Yen mehr und mehr von der übrigen Auktionsbühne zurückgezogen haben, investieren hier nach wie vor beträchtliche Summen. Durch ihre Ankäufe, aber auch durch die zunehmende Zahl von Ostasiatica-Sammlern in Europa und Amerika sind die Preise in den letzten Jahren so stark gestiegen, daß sich einige Spezialisten für China-Porzellan wie etwa der Freiburger Heinz Reichert mehr und mehr auf die europäische Keramik konzentrieren. Sie wird zwar auch teurer, aber der Preisanstieg entspricht im wesentlichen der Inflationsrate.

Einige wenige Auktionsrekorde gab es auch bei den klassischen Sammelgebieten der Antiquitäten. So brachte beispielsweise eine Nürnberger Gemsen-Plastik in Vermeil von Hieronymous Bank (von etwa 1627) 300 000 Mark, den bisher höchsten Preis für kontinentaleuropäisches Silber. Für eine Louis XV-Schnupftabaksdose aus Gold und Lapislazuli von Juste Oreille Meissonier wurden, ebenfalls in der britischen Metropole, 535 000 Mark geboten, für eine mehrfarbige Delfter Fayence-Terrine aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts 63 000 Mark.

Bedeutende Gemälde der alten Kunst und der klassischen Moderne kommen weniger denn je auf den Markt. Am ehesten tauchen sie noch in den Galerien auf. Der letzte Kölner Kunstmarkt zum Beispiel hat eindrucksvoll bewiesen, daß die Händler jetzt eher bereit sind, Spitzenstücke anzubieten, die sie noch vor zwei Jahren in ihren Depots horteten. Seit langer Zeit war in der Bundesrepublik kein so konzentriertes Angebot von Werken dieses Jahrhunderts – vom Expressionismus über den Surrealismus bis hin zur mittlerweile auch schon klassischen Nachkriegskunst – zu finden. Qualität, das wissen die Galeristen, verführt zurückhaltende Sammler noch am ehesten zum Kauf.

Eine Kunst-Konjunkturwende allerdings brachte auch Köln nicht – ebensowenig wie die voraufgegangenen Messen und Auktionen in der Bundesrepublik und der Schweiz. Auch hier war eher gedämpfter Optimismus am Platze. Auf den großen Versteigerungen moderner Kunst, etwa bei Hauswedell & Nolte in Hamburg oder bei Kornfeld und Klipstein in Bern, wurden nur die gesuchten Paradewerke der jeweiligen Künstler neu bewertet.

Die Aquarelle von Emil Nolde beispielsweise werden noch immer teurer. Der internationale Rekord liegt derzeit bei 95 000 Mark, der deutsche bei 82 000 Mark. Noldes in mehreren Farbvariationen existierende Lithographie "Das junge Paar", die schon 1962 5000 Mark gekostet hatte und 1971 bereits 35 500 Mark brachte, stieg in diesem Jahr in Hamburg auf 54 000 Mark.

Auch Beckmanns radiertes "Selbstbildnis mit steifem Hut" hat einen neuen Preis. Bei Hauswedell & Nolte wurden für das Blatt 25 000 Mark geboten. Bei 56 000 Franken liegt der derzeitige Auktionsrekord für Heckels farbigen Holzschnitt "Männerbildnis", bei 71 000 Franken der für die farbige Lithographie "La petite blanchisseuse" von Bonnard. Kokoschkas frühe Graphik-Mappe "Die träumenden Knaben" ist bei 11 000 Mark angelangt.