Die Bremer Juso-Erklärung zum jüngsten Bombenattentat im Bahnhof der Weserstadt ist kein Einzelfall. Der provozierende Beifall der Gesinnungsgenossen aus dem SPD-Unterbezirk Weser-Ems zeigt das. Die Auffassung, wonach CDU/CSU-Politiker wie Dregger, Carstens und Strauß "weitaus gefährlichere geistige Terroristen" seien als die Mitglieder der Baader-Meinhof-Bande und "zur geistigen Verwandtschaft derjenigen" gehörten, die "einst in unserem Land Mord und Terror in KZs haben ausüben lassen", scheint in tonangebenden Juso-Kreisen weitverbreitet zu sein.

Das kann nicht verwundern. Seit Jahren schon werden gelegentlich nicht nur einzelne Unionspolitiker, sondern die Partei mit wenigen Ausnahmen in die geistige Nähe des Nazi-Regimes gebracht, selbst von führenden Sozialdemokraten. Von Karl Schillers "Harzburger Front" über Willy Brandts "Rechtskartell" zu Wehners Ausbruch im Bundestag: "Wenn Sie es könnten, würden Sie auch wieder Leute ausbürgern, wie das schon einmal geschehen ist." Sogar als maßvoll angesehenen Sozialdemokraten wie Bruno Friedrich fallen im Zusammenhang mit der CSU und Franz Josef Strauß Vergleiche mit der NS-Vergangenheit ein: "Was bei Streicher der ‚ewige Jude‘ war, das waren im Wahlkampf bei Strauß die ‚roten Ratten‘." Und: "Sozialdemokraten dürfen nicht vergessen, daß die Angst um die wirtschaftliche Existenz in Deutschland schon einmal einen großen Teil des Volkes verleitet hat, den ‚starken Mann‘, damals hieß er Hitler", zu wählen.

Von Sozialdemokraten, die in ihrer Geschichte so oft Opfer politischer Diffamierung geworden sind, sollte man erwarten, daß sie sich solcher Methoden nicht bedienen, auch dann nicht, wenn Strauß in seiner Wortwahl gleichfalls nicht gerade zimperlich ist. Die SPD hat sich von einzelnen Passagen der Bremer Juso-Erklärung distanziert. Verzicht darauf wäre besser. E. N.