Von Kai D. Eichstädt

Die Scheiche aus dem Mittleren Osten können gar nicht soviel Dollars ausgeben, wie sie für ihr Öl einnehmen. Entsprechend großzügig gehen sie mit dem Geld um. Nur so zum Spaß verloren beispielsweise drei Prinzen aus Saudi-Arabien in den Casinos des amerikanischen Spielerparadieses Las Vegas eine Million Dollar.

Ihren jüdischen Feinden gönnen die Araber jedoch keinen Cent: Vergangene Woche erschien in der Londoner Times eine ganzseitige Anzeige mit der provozierenden Überschrift "Shouldn’t Britain come first?" (Sollte Ihnen Großbritannien nicht wichtiger sein?). Die Anzeige war von dem "Komitee für Gerechtigkeit im Mittleren Osten" unterzeichnet und forderte die Engländer auf, darüber nachzudenken, ob es sinnvoll sei, für die zionistische Sache Jahr für Jahr mehrere Millionen Pfund zu spenden. Der Aufruf endete mit der Feststellung: "Spenden an Israel können die verfahrene Situation (im Mittleren Osten) nur verewigen."

Dieser Angriff auf die jüdischen Hilfsorganisationen zielte zugleich auf eine empfindliche Stelle Israels: Der ungeliebte Staat in der Levante verdankt sein Überleben hauptsächlich der Spendierfreudigkeit der in der Diaspora lebenden Juden. Seit Bestehen Israels wird ein Großteil der öffentlichen Ausgaben aus dem Ausland finanziert.

In den USA sammelt der United Jewish Appeal. In mehr als sechzig anderen Ländern brachte der Keren Hayessod mehr als drei Milliarden Dollar auf. Wiedergutmachungszahlungen der Bundesrepublik und die im Ausland verkauften Anleihen – vor allem "State of Israel Bonds" – halfen dem Judenstaat beim Ausgleich der chronisch defizitären Zahlungsbilanz.

Doch die arabischen Auftraggeber hätten sich das Geld für die aggressive Anzeige wahrscheinlich sparen können. Die Spendierfreudigkeit der jüdischen Glaubensbrüder hat seit einem Jahr merklich nachgelassen. 225 Millionen Dollar hatte die Jewish Agency – sie baut unter anderem in Israel Wohnungen für Einwanderer – für dieses Jahr an Spenden aus USA eingeplant, nicht einmal 200 Millionen werden die amerikanischen Juden überweisen. Und auch aus England, dessen jüdische Gemeinden sich in der Vergangenheit besonders großzügig gezeigt hatten, werden weniger Devisen erwartet als zu Beginn des Jahres erhofft.

Gründe für die Zurückhaltung gibt es genug. Entscheidend ist indes die desolate Lage an den Wertpapierbörsen in den USA. Stiegen in der Vergangenheit die Kurse, zeigten sich die amerikanischen Juden spendabel. Gibt es keine Kursgewinne, behalten sie das Bargeld lieber in der eigenen Kasse. Die Folge: Mehr als zwei Milliarden Dollar an Spenden aus aller Welt werden in diesem Jahr nicht nach Israel fließen.